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Nachdem ich gestern bis in die Nacht meine Springaufnahmen von Aachen angesehen habe, musste ich an die Wunderstute Halla denken.

Halla wurde 1945 in Darmstadt geboren, ihre Abstammung war eher bescheiden. Sie war ein Stutfohlen, ihre Mutter Helene war ein französisches Beutepferd ohne Abstammung, ihr Vater ein deutscher Traberhengst namens Oberst.

Halla war ein äußerst schwieriges Pferd, welches als sehr zickig galt. Sie mochte es nicht, angefasst zu werden, was sich als Reitpferd doch schwierig gestaltet. Schnell wurde sie als ungeeignet für den Reitsport abgestempelt, nachdem sich etliche Reiter an ihr versuchten. Ursprünglich wurde sie als Rennpferd ausgebildet, eignete sich jedoch nicht dafür- ihr enormes Sprungvermögen blieb dabei jedoch nicht unerkannt.

Auf der anderen Seite gab es da den jungen, aufstrebenden Springreiter Winkler und wie es das Schicksal wollte, fanden die beiden 1951 zusammen, in dem Hallas Züchter und Besitzer ihre Stute Winkler zur Verfügung stellen, weil kein anderer sie haben wollte.

Und so fanden zwei zusammen, die zusammen gehörten. Schnell stellte sich heraus, dass Halla in ihrer Vergangenheit oft Langeweile hatte und erst zur Leistung fähig war, nachdem sie entsprechende Aufgaben bekommen hatte und schließlich in den richtigen Händen war.

Die Erfolge unter Winkler waren nicht mehr zu bremsen.

Wichtige Prüfungen wurden gewonnen, 1954 und 1955 dann die Weltmeisterschaft gewonnen und 1956 kam dann der Antritt zu den olympischen Spielen. Der Ritt am 16.06.1956 sollte Halla unvergessen machen,hier genauer gesagt der zweite Umlauf. Während des ersten Umlaufs rissen alle Teilnehmer eine Hürde, auch Halla und Winkler. Was während des ersten Umlaufs für Deutschland aber zur Tragödie wurde, war die Verletzung Winklers während des Sprunges am Steil in der Lenden- und Bauchgegend. Winkler sackte vor Schmerzen zusammen und konnte sich kaum noch im Sattel halten. Doch anstelle nach dem ersten Umlauf ins Krankenhaus zu gehen, was das Aus für die Chance auf eine Medaille, aber auch auf die Goldmedaille für Deutschland bedeuten würde, entschied er sich, den zweiten Umlauf mit seiner Halla anzutreten.

Der Tierarzt flößte ihm mehrmals Medikamente ein, so starke, damit er einigermaßen die Schmerzen ertrug, dass Winkler mehrfach das Bewusstsein verlor und noch kurz vor seinem Ritt von seinen Kollegen wachgerüttelt werden musste. An effektives Reiten war nicht mehr zu denken.

Wie auch immer waren es Halla und Winkler, die den zweiten Umlauf als einzige fehlerfrei meisterten. Winkler schrie bei jedem Sprung vor Schmerzen auf, konnte seine Stute mehr mit Stimme als durch das Reiten führen, aber Halla siegte und gab alles, als hätte sie verstanden, was mit ihrem Reiter passiert ist und worum es bei diesem Parcours ging.

Das war der Moment, in dem Halla international zum beliebtesten Sportpferd wurde- eine lebende Legende war geboren und der olympische Sieg galt nur ihr. Und das bedeutete Gold für die deutsche Mannschaft, Gold für Winkler. Auch 1960 gewannen die beiden die olympischen Spiele und längst galt Halla als bestes und bestgerittenes Pferd weltweit. Etliche Erfolge gingen auf ihr Konto, 128 Siege wurden verzeichnet. Das Pferd, das den Stempel ungeeignet trug und das Pferd, das niemand wollte.

Unendlich viel Post von der ganzen Welt wurde an den Empfänger: Halla, Deutschland gerichtet. Würfelzucker en masse erreichte Warendorf, etliche Briefe mit dem Inhalt: Halla, wie geht es Dir?

Nach den olympischen Spielen1960 wurde Halla damals 15-jährig aus dem Reitsport verabschiedet und für die Zucht eingesetzt. 16-jährig und in diesem Alter nicht selbstverständlich bekam sie ihr erstes Fohlen. 7 weitere sollten folgen, aber keines konnte ansatzweise in ihre Fußstapfen treten.

Halla starb 1979 im Alter von 34 Jahren, die braune hessische Wunderstute mit dem weißen Fleck mit einem Stockmaß von 1,71m, ohne je ernsthaft erkrankt oder verletzt gewesen zu sein, gefordert bis in die höchsten und schwierigsten Leistungsklassen, ohne je platt geritten gewesen zu sein.

Die Wunderstute blieb bis zu ihrem letzten Tag bei Hans Winkler. Wenn man ihn auch heute noch über Halla fragen würde, würde er sagen: Sie war eine Legende, aber sie war auch eine Diva. Wir drohten und wir versöhnten uns, bis sie akzeptierte, dass ich der Kapitän und sie mein erster Offizier war, bis ich ihr die Führung während des zweiten Umlaufs 1956 übergab. Wir waren Partner.

Halla wurde mit einer lebensgroßen Bronzeskulptur geehrt, die in Warendorf steht und 1979 wurde erlassen, dass kein anderes Pferd auf keinem Turnier der Welt den Namen Halla tragen darf.

Das deutsche Wunderpferd, an das zu Beginn niemand glaubte… ❤️

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One thought on “❤️Halla❤️

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