Moritz, der erst später in Meteor umbenannt wurde, wurde 1943 in Schleswig-Holstein in Niendorf geboren. Sein Vater war der Holsteiner Hengst Diskus und seine Mutter war die Holsteiner Stute Konkurrentin. Kurz gefasst: Eine Abstammung, mit der er nicht glänzen konnte. 

Meteor war ein unglaublich stures, eigenwilliges und auch ein Stück weit undankbares Pferd, geprägt von einer Temperamentlosigkeit und Arbeitsunwilligkeit, ein Pferd, welches seinem Menschen gerne trotzte und seine scheinbare Unabhängigkeit demonstrierte. 

Sein Exterieur war geprägt von Masse und Schwere, einem kurzen und kräftigen Hals und einer überdurchschnittlichen Größe. Wenn man ihn vor sich hatte, wäre man nicht auf die Idee gekommen, dass man ein künftiges Sportpferd vor sich hatte, glich er doch eher einem gut gelungenen Arbeitspferd. 

Nun, so sollte Meteors Karriere auch beginnen, als Arbeitspferd. Genauer gesagt begann er seine große Karriere als Zugpferd vor einem Milchwagen. 

Aber das Leben hatte andere Pläne mit dem großen Wallach. Und so kam es, dass Meteor 1948 in das Leben des bereits bekannten Springreiters, der auch eine Koryphäe in der Dressur war, Fritz Thiedemann trat. Meteor wurde von seinem Züchter Otto Dreesen gegen Kostenübernahme zur Verfügung gestellt. 

Das Training Thiedemanns mit Meteor gestaltete sich äußerst schwierig, war es doch von Meteors Sturheit und Widerspenstigkeit geprägt, so dass Thiedemann recht schnell an Meteors Fähigkeiten, im Sport Erfolg zu haben, zweifelte. Ein Kaufangebot zu dieser Zeit, lehnte er ab, aber dennoch hielt ihn irgendetwas an diesem Wallach fest, konnte er die Gründe damals selbst noch nicht in Worte fassen. 

Meteor war durchaus in der Lage, fühlte er sich ungerecht behandelt, einem ihm angebotenen Würfelzucker mit einer unübertrefflichen Ignoranz abzulehnen – was ihm nicht leicht gefallen sein dürfte, galt Meteor doch als sehr verfressen. 

Die ersten größeren Turniere sollten bald kommen, kommentiert von Journalisten, die Meteor aufgrund seiner Schwerfälligkeit und fehlenden Schnelligkeit mit ihren Kommentaren zerrissen. 

Was dann Schlag auf Schlag folgte, sollte deutsche Reitsportgeschichte schreiben. 

150 Siege gingen auf Meteors Konto, mit 499 Platzierungen durfte er glänzen, eine Lebensgewinnsumme von über 177.000,00 Mark, damals eine unvorstellbare Summe, konnte er verbuchen. Kein Parcoursbauer war Meteors Intelligenz gewachsen, kannte der Wallach die Regeln ganz genau. 

Meteor wurde, auch wenn er immer ein wenig im Schatten Hallas stand, binnen kürzester Zeit zu dem erfolgreichsten und mit zu dem berühmtesten Springpferd aller Zeiten. 

Er war bis heute das einzige Springpferd, dem es gelang, bei drei aufeinanderfolgenden Olympiaden zu gewinnen, ein Mal Bronze, zwei Mal Gold. 

Am 01.07.1961 war Meteors letzter großer Auftritt, als er bereits 18-jährig noch mit Thiedemann den Preis der Nationen in Aachen für sich bestreiten konnte. 

Am 03.07.1961 dann verabschiedeten sich Thiedemann und Meteor bei einer offiziellen Abschiedsrunde aus dem Profisport in den wohlverdienten Ruhestand. Es herrschte eine Stille, dass selbst die letzte Reihe der Anwesenden Meteors Hufschlag vernahm. Tränen flossen, Standingovations für Pferd und Reiter. 

Das Pferd, das seinem Reiter immer wieder trotzte, ein Lausbub in dem intelligenten Pferd, das seinen Menschen immer wieder herausforderte – es wurde noch zu Lebzeiten zu einer Legende. 

Am 28.08.1966 starb der Dicke, wie er immer liebevoll von Thiedemann genannt wurde – der große, braune Wallach mit dem weißen Stern und der Schnippe, der bis zu seinem letzten Tag nie seinen Menschen Fritz Thiedemann, der ihn trotz aller Schwierigkeiten nie aufgab, in einem Alter von 23 Jahren. Ohne je ernsthaft krank gewesen zu sein, ohne je platt geritten gewesen zu sein, starb er an Altersschwäche. 

Selbst in den 80er Jahren noch erhielt Thiedemann Anrufe, wie es Meteor denn ginge und bevor er antworten konnte, musste er ein jedes Mal schlucken. Thiedemanns Zuhause entwickelte sich nach und nach zu einem Wallfahrtsort, wollte doch ein jeder ein Stück von Meteor erleben. 

Meteor wurde geehrt wie kein anderes Pferd. Er erhielt, was nur sehr wenige Pferde erhielten, eine lebensgroße Bronzestatue, welche in Kiel zu bewundern ist – als Zeichen der Dankbarkeit und der Verbundenheit des deutschen Volkes gegenüber diesem Pferd, welches seine Karriere als Arbeitspferd begann. Ein Gedenkstein wurde für ihn beim Holsteiner Gestüt in Elmshorn errichtet, ein Ort für die Erinnerung an diesen Holsteiner Riesen. 

Eine Straße wurde nach ihm benannt und die FN erwies ihm die besondere Ehrung, in dem sie seinen Namen für die künftigen Pferde, die im Wettbewerb starten, sperrte. 

Würde man Thiedemann heute nach Meteor fragen, würde er sagen: 

Er war ein Sturbock seinesgleichen. Aber er war eine lebende Legende. Uns verband keine Liebe. Uns verband Freundschaft, deren Grenzen ein Leben lang mitwachsen durften. Er lehrte mich, einem Pferd auf Augenhöhe zu begegnen. Und während er diese Worte sprechen würde, würde er voller Ehrfurcht Meteors Hufeisen in seinen Händen halten, jenes, welches Meteor zuletzt trug, so, wie er es gerne bei einem Interview tat. 

Auch möchte ich Thiedemanns Worte wieder aufgreifen, welche er an seine Nachwelt richtete:

Reiter, wisst zu schätzen, was ihr heute für Pferde habt. Pferde für den Sport gezüchtet, die schon vieles mitbringen, was wir uns früher erst hart erarbeiten mussten. Verheizt eure vermögenden Pferde nicht derart, wie ihr es tut, unsere Pferde mussten ein Leben lang halten. Lernt, auch nein zu sagen. Und ihr Besitzer der vermögenden Sportpferde, trennt nicht gute Paare und schon gar nicht des Geldes wegen, wenn ihr wollt, dass die Namen eurer Pferde unvergessen bleiben. Mein Name ist auf ewig mit dem Namen Meteors verbunden. 

Das deutsche Ausnahmepferd, an das zu Beginn selbst sein Reiter zweifelte 💞

Bleibt meinerseits zu sagen: 

Chapeau Meteor, dass Du geblieben bist, wie Du warst, auch wenn Du nicht immer einfach warst. Du hast deutsche Reitsportgeschichte geschrieben!

Chapeau Fritz Thiedemann, dass Du unser deutsches Ausnahmepferd nie aufgegeben hast und ihn, bevor er in die USA hätte gehen sollte, doch noch hälftig kauftest! ❤️

  

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One thought on “Meteor – das erfolgreichste Springpferd Deutschlands

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