Oft wurde bereits über dieses Thema berichtet, viel wurde mir diesbezüglich erklärt, vieles habe ich darüber gelesen, aber oft habe ich darum gebeten, mich während des Lobens oder der Korrektur unerwünschten Verhaltens in Momenten zu beobachten, in denen ich mich unbeobachtet fühle und zu korrigieren, wenn ich im falschen Moment lobe oder unerwünschtes Verhalten korrigiere.

Zu Beginn der Erziehung und Ausbildung meiner Stute dachte ich mir: „Loben – nichts einfacher als das“. Aber die Realität ist, dass dieser Aspekt der Erziehung und Ausbildung mit eines der wichtigsten aber auch der schwierigsten ist. Bis heute muss ich mir die Basics hierzu immer wieder mal vor Augen führen, um mir bewusst zu werden, dass Loben im richtigen Moment das A und O der Erziehung, der Motivation und das Erreichen des Trainingsziels ist.

Ich kann mich nicht davon freisprechen. Ich lobe hin und wieder im falschen Moment, beruhige das Pferd im falschen Moment, und das aus einem einfachen Grund: ich lobe wie ein Mensch. Aber ein Pferd ist kein Mensch und ich muss seine Sprache sprechen, damit das Pferd das Lob auch richtig einsortieren kann.

In der Verhaltensbiologie hat sich folgendes herausgestellt:

  • Zu Beginn einer Lernphase muss jeder Versuch und sei er noch so klein, belohnt werden.
  • Jedes Lob im Zeitfenster von spätestens 2 Sekunden nach dem jeweiligen Verhalten führt zur Verstärkung.

Das heißt, dass das Lob sofort erfolgen muss, damit das Pferd das Lob auch versteht. 2 Sekunden empfinde ich bereits als lang, daher ist es mir sehr wichtig, mein Pferd non stop zu beobachten und das in jeder Situation, damit ich all seine Gestiken umgehend lerne zu verstehen und nicht noch lange überlegen muss, wie ich diese und jene Gestik oder dieses oder jenes Verhalten einzusortieren habe. Kann ich das nicht, ist mir ein Loben im richtigen Moment schlichtweg nicht möglich.

 

Wie lobe ich und womit lobe ich das Pferd?

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, ein Pferd zu loben. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen positiver und negativer Verstärkung (Verstärkung = Lob). Die Bedeutung von positiv und negativ ist hier im mathematischen Sinne zu verstehen.

  • Positiv = Es kommt etwas hinzu
  • Negativ = Es wird etwas weggenommen

 

Unter positiver Verstärkung versteht man beispielsweise:

  • Lob (konditioniert)
  • Akzeptanz
  • Streicheln / Kraulen
  • Pause
  • Leckerli

Unter negativer Verstärkung versteht man beispielsweise:

  • Druck nachlassen
  • Stress wegnehmen
  • Aussetzen der Hilfen

 

Welche Form des Lobes gewählt wird, hängt vom Pferd ab. Selbst beim Loben halte ich nichts vom Schema F, denn jedes Pferd ist nun mal anders. So würde ich beispielsweise bei einem Pferd, das zum Betteln neigt, nicht zu Leckerlis greifen, um es zu loben.

 

Ein Beispiel des falschen Lobens:

Was sich bei mir immer wieder einschleicht, ist folgende Situation:

Meine junge Stute, deren Nervenkostüm nicht das stärkste ist, und ich gehen spazieren und ich möchte mit ihr an einer wirklich gruseligen blauen Tonne an der Kreuzung des Waldrandes vorbei laufen. Diese blaue Monstertonne hat ein schreckliches, durchsichtiges Gewand an sich gebunden und es bereitet dieser Tonne eine große Freude, drohend mit diesem Gewand um sich zu schlagen. Meine Stute ist sich sicher: diese schreckliche Monstertonne will uns fressen.

So erlebt mein Pferd die Tonne, während ich eine blaue Tonne, die mit einem Stück Plane abgedeckt ist und diese Plane hin und wieder vom Wind angehoben wird, erlebe. Recht schnell merke ich, dass sich meine Stute aufbaut, den Hals wölbt, die Augen immer größer werden, die Atmung schneller und lauter bis hin zu einem Schnauben wird. Meine Stute signalisiert mir, ich habe wohl den Verstand verloren, an dieser Stelle vorbei laufen zu wollen. Adrenalin liegt in der Luft.

Und nun passiert es mir, dass ich beruhigend auf meine Stute einrede, sie davon überzeuge, mir zu folgen – denn ich entscheide, wo es lang geht und nicht das Pferd. Anstatt mich auf meinen Weg zu konzentrieren, erhält diese blaue Tonne und die Reaktionen meines Pferdes auf diese Tonne meine volle Aufmerksamkeit. Aber: Ich führe meine Stute und nicht meine Stute führt mich. Dies ändert aber nichts daran, dass ich meine Stute erleben lassen muss, dass sie mir wirklich in jeder Situation und an jedem Ort, sei er noch so gefährlich (wie sie den Ort erlebt und nicht wie ich den Ort erlebe) folgen kann.

Mit den schönsten Piaffen, einem richtigen Hengsthals, die Stute nochmal um 10 cm gewachsen, einem kräftigen Schnaufen schaffen wir es, an der der Monstertonne vorbei zu laufen. Kaum an der Tonne vorbei, schmeiße ich eine kleine Party für mein Pferd und lobe was das Zeug hält, denn ich bin unglaublich stolz, dass sie mir nicht durchgegangen ist.

Eine Alternative wäre gewesen, ihr Unbehagen und ihr damit verbundenes Gehabe zu ignorieren. Ich hätte zielsicher meinem Weg folgen können und dabei auch die Tonne missachten sollen und vor allem hätte ich meine Stute nach der (aus ihrer Sicht) Gefahrensituation nicht loben sollen. Ich habe sie dadurch verstärkt, dass ihre Angst begründet war, denn sie versteht meinen Stolz auf sie nicht, mit mir an dieser Tonne vorbei gelaufen zu sein. Hätte sie die Wahl gehabt, wäre sie daran ganz einfach nicht vorbei gelaufen.

Und so gibt es hin und wieder kleine Situationen, in denen ich falsch reagiere, in denen ich zum Beispiel auch eine kleine Verbesserung nicht erkenne und so unbeabsichtigt ein Lob unterlasse, welches, wäre es erfolgt, unserem Ziel aber einen kleinen Schritt näher gebracht hätte.

Dennoch bin ich stets bemüht, mich auch in den Basics und nicht nur in dem Fortgeschrittenenressort stets zu verbessern, wohlwissend, dass es mehr als ein Leben benötigt, um die Sprache der Pferde fließend zu sprechen und fließend zu verstehen.

 

Vielen Dank an Denise und Kati. Danke, dass ich dieses wunderschöne Bild für meinen Artikel nutzen darf. Und auch ein Dank an das Model Luise und an das zauberhafte Pferd.

Weitere schöne Bilder von den Beiden seht Ihr hier:

https://m.facebook.com/DK-Photografie-425192537602022/

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One thought on “Back to the basics: Loben im richtigen Moment

  1. Sehr gut der Text. Erinnerungen kommen an meine Prüfung in pädagogik auf. Verstärker Lernen, Konditionierung, Modellernen.

    Oh loben im falschen Moment…kenn ich. Flatter Folie und eine Reiterin die ihr Pferd lobt weil es nicht weggehopst ist 🙂

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