Dass Reiten eine ganz schön schwierige Angelegenheit ist, das wissen die meisten von uns.

Wer von uns träumt nicht, eins zu sein mit dem Pferd und die Harmonie der Bewegungen zu genießen.

Doch der Weg dorthin ist ein harter und verbunden mit vielen Rückschlägen. Damit es aber überhaupt erst zu einem harten und steinigen Weg kommen kann, brauchen wir für die Reiterei ein Pferd. Nicht irgendeines! Wir haben bestimmte Vorstellungen von dem Pferd, das wir in Kürze haben möchten. So soll das Pferd zum Beispiel mindestens einen Stockmaß von 1,70m aufweisen, ein Rappe sein und am besten mit Vermögen bis S**  und das natürlich doppelt veranlagt, aufweisen.

Wir haben viele Ratgeber um uns herum – Pferdemenschen von Profis bis hin zu selbsternannten Horsemen des 21. Jahrhunderts, Freizeitreiter, Turnierreiter, Tierärzte, Familie und Freunde und viele wissen uns viel über Pferde zu berichten. Wir haben viel Zeit in Informationsmaterial und Beratungsgesprächen investiert und das Pferd, das wir bald unser eigenes nennen dürfen, manifestiert sich in unseren Vorstellungen.

Aber haben wir uns bei der Vorbereitung auf den Pferdekauf auch nur ein einziges Mal mit unseren motorischen Leistungsfähigkeiten befasst?

Was man unter motorischen Leistungsfähigkeiten des Reiters versteht und welche Bedeutung sie bei der Auswahl des Pferdes, welches man kaufen möchte, haben, möchte ich in diesem Artikel erklären.

Es liegt nicht nur am Pferd, ob ein harmonisches Miteinander möglich ist, sondern ganz besonders auch am Reiter. Der Reiter darf das Pferd nicht behindern und ihm die Freude an der eigenen Gehlust nehmen. Nur der Reiter, der es schafft, die eigenen Fehler zu minimieren, wird in einen Dialog mit dem Pferd eintreten und nachvollziehen können, wie eine Bewegungsharmonie zwischen Reiter und Pferd aussehen kann. Pferd und Reiter beeinflussen sich immer wechselseitig und das Pferd ist immer unterstützender oder auch begrenzender Faktor in allen Reitsituationen.

Die motorischen Leistungsfähigkeiten des Reiters

Der Begriff Motorik sagt schon, dass es bei der Leistungsfähigkeit nicht nur um körperliche Abläufe geht. Unter motorische Fähigkeiten versteht man:

  • genetisch bedingte körperliche Faktoren
  • mental-strategische Qualitäten
  • gehirnbezogene Steuerungen
  • physische Gesichtspunkte
  • psychische und soziale Fähigkeiten.

Und all diese einzelnen Faktoren können nicht für sich betrachtet werden, sondern stehen in einer Wechselwirkung zueinander. Und so muss jeder Reiter individuell betrachtet werden und der jeweilige Reiter und seine Fähigkeiten müssen dann noch einmal in Verhältnis zum jeweiligen Pferd gesetzt werden.

Beispiel: Während eine eher nervöse Reiterin auf einem Vollblüter wohl kaum Vergnügen hätte, wäre sie auf einem ruhigen und gelassenen Pferd vermutlich glücklicher.

Und konzentriert man sich bei der Betrachtung des Reiters nur auf die körperlichen Aspekte wie beispielsweise Kraft, Ausdauer, Reaktionsvermögen, dann bleibt die Analyse in oberflächlichen Strukturen stecken. Jeder Reiter benötigt zwar seine Physis, nur muss er auch in der Lage sein, diese durch gut koordinierte Techniken auf sein Pferd zu übertragen. Reine Kraft reicht da nicht. Im Gegenteil. Wendet der Reiter nur rohe Kraft ein, kann er nicht mehr fühlen und das führt unweigerlich zu Verkrampfungen und Widerständen des Pferdes. Die Bewegungsabläufe des Reiters müssen sehr weich sein, um mit dem Pferd kommunizieren zu können. Denn nur so hat das Pferd eine Chance, zu verstehen, was der Reiter überhaupt von ihm will.

Fazit: Die körperlichen und koordinativen Fähigkeiten des Reiters müssen in Einklang mit seinen technischen Fertigkeiten gebracht werden.

Größenverhältnis Pferd und Reiter

Auch muss das Größenverhältnis zwischen Pferd und Reiter passen. Wenn dies nicht der Fall ist, kann sich der Reiter nicht im selben Rhythmus wie das Pferd bewegen und nicht richtig mitschwingen und somit nicht richtig einwirken. Stimmt das Größenverhältnis nicht, wird der Reiter sich mit seinem Pferd nicht sachgerecht und harmonisch auseinandersetzen können. Ein zu großer Reiter beispielsweise kann bei einem verhältnismäßig kleinen Pferd Probleme beim Treiben haben, weil seine Beine zu weit unten, über den Pferdeleib hinaus, ragen.

Konstitutionelle und genetische Voraussetzungen des Reiters

Die Besonderheit des Körperbautyps des Reiters muss auch bei der Auswahl des Pferdes berücksichtigt werden. Es gibt Menschen mit langen Oberkörpern und kurzen Beinen, Menschen mit kurzen Oberkörpern und langen Beinen, kräftige Menschen, schlanke Menschen, große und kleine.

In der Reiterei werden am meisten Menschen gefördert, deren Verhältnis hinsichtlich des Oberkörpers und der Beine harmonisch in ihrer Länge sind, der Oberkörper und die Beinlänge also einigermaßen gleich lang sind. Diesen Reitern traut man die höchste Fähigkeit der Balance zu.

Wenn der Reiter sehr schmal ist und sich für ein sehr breites Pferd entscheidet, wird ein tiefes Einsitzen kaum möglich sein. Somit würde der Reiter über dem Pferd sitzen und Schwierigkeiten haben, sich den Bewegungen des Pferdes anzupassen.

Sehr schlanke Reiter sind oft in Bezug auf ihre Beweglichkeit eingegrenzt, um nicht zu sagen, sie sind fest. Pummeligere Reiter hingegen, denen man auf den ersten Blick weniger Fähigkeiten zutrauen würde, sind oft beweglicher und feinfühliger. Hintergründe hierfür sind im Moment noch nicht bekannt, aber die Wissenschaft erforscht dies und es darf auf erste Ergebnisse in Kürze gehofft werden. Dies ist aber keine Freikarte für Übergewicht. Zu hohes Gewicht bedeutet für das Pferd starke Belastung für den Rücken und zum anderen auch, dass sich der Reiter schlechter bewegen kann, was wiederum zu einem Problem der Beweglichkeit des Pferdes führt.

Die Psyche eines Reiters sollte immer gefestigt und ausgeglichen sein. Dennoch gibt es Menschen, die von Natur aus emotionaler, temperamentvoller, schneller, auffassungsfähiger sind und Menschen, die ihre Stärke in der Ruhe leben, alles äußerst gründlich, dafür mit der nötigen Langsamkeit erledigen bewerkstelligen. Wie eingangs erwähnt, müssen auch die Wesenszüge mit denen des Pferdes harmonieren.

Résumé

Viele genannte reiterliche Fähigkeiten können wir uns mühsam über einen längeren Zeitraum erarbeiten. Aber viele Faktoren, die über unsere Fähigkeiten entscheiden werden, werden uns in unseren Fähigkeiten begrenzen oder begrenzen uns bereits jetzt.

Um langfristig ein Pferd an unserer Seite zu haben, mit dem wir eine Harmonie und einen reiterlichen Einklang erzielen wollen, müssen wir auch unser Exterieur und Interieur intensiv betrachten und abhängig von diesen ein Pferd auswählen, welches zu unseren genetischen und konstitutionellen Voraussetzungen sowie motorischen Leistungsfähigkeiten passt oder sich zumindest ein Weg dorthin erarbeiten lässt.

Ein bildhübsches Pferd mit überdurchschnittlichem Vermögen und ein gefüllter Geldbeutel bedeutet noch lange nicht, dass der Weg keine Sackgasse sein wird, der Weg nicht sehr steinig sein wird und dass der gewünschte Erfolg ausbleiben wird.

 

Bild: Auf dem Bild sehen wir das hübsche Pferd Massimo von Karin Bottländer. Herzlichen Dank an dieser Stelle, dass Du es mir zur Verfügung gestellt hast.

 

Quelle: Dressurstudien
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s