Teil I:

Xenophon

Unter Klassischer Reitkunst versteht man nicht ausschließlich Pferdeshows mit Barockpferden oder gar das, was sich aus der Kavalleriereiterei Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt hat.

Anja Beran definiert die Klassische Reitkunst folgendermaßen (leicht durch mich abgewandelt):

Die Klassische Reitkunst ist die Fähigkeit, das Pferd durch Güte und logisch aufgebaute Übungen, die auf den Naturgesetzen von Gleichgewicht und Harmonie basieren, so auszubilden, dass es sich zufrieden und selbstbewusst dem Willen des Reiters hingibt, ohne dass sein natürlicher Bewegungsablauf auf irgendeine Art darunter leidet. Ein weiteres Ziel ist die Minimierung der Reiterhilfen.

 

Wenn man sich mit der klassischen Reitkunst befasst, wenn man verstehen möchte, was mit Reitkunst gemeint ist, wie sich die Reiterei im allgemeinen entwickelt hat, müssen wir zeitlich weit zurückgehen und so treffen wir auf Xenophon, der etwa 430 vor Christus geboren wurde.

Sokrates
Sokrates (ca. 470 – 399 vor Christus)

Xenophon war Schüler des Philosophen Sokrates (ca. 470 – 399 vor Christus) und dadurch stark von der Lehre der Wahrheitsfindung beeinflusst. Diese Lehre basierte auf der Suche nach dem Sein der Dinge, den Gründen für das Handeln, Leiden und Denken. Xenophon war nicht nur Schüler des Sokrates, er war auch Krieger und er liebte Pferde.

Wir verdanken Xenophon die ältesten und vollständig erhaltenen Wekre zur Reitkunst:

  • „Über die Reitkunst“ und
  • „Der Reitoberst“.

Xenophon sagte bereits zu Lebzeiten: „Wenn jemand ein Prunkpferd verlangt, das freiwillig lebhaft ist und mitarbeitet, so muss man wissen, dass nicht alle dieser Gaben fähig sind, sondern nur diejenigen, welche mit einer stolzen Seele einen starken Körper verbinden. Allen, die mit Tieren umgehen, sei eindringlich zugerufen: Vergeht Euch nicht an der stolzen Seele!“

Ich erinnere: Diese Worte sind fast 2.500 Jahre alt.

Aufgrund der Tatsache, dass Xenophon auch Krieger war, wusste er nur zu gut, wie überlebenswichtig ein gehorsames und gut gerittenes Pferd war. Geprägt durch seinen Lehrer Sokrates machte sich Xenophon intensive Gedanken über die Pferde, die in seinen Händen waren, über die Reitweise und über die Ausbildung der Remonten. So findet sich auch dieses Zitat: „Ein Geschöpf, dem man sein Leben anvertraut, sollte seinem Reiter bereitwillig Folge leisten. Doch das erreicht man nicht durch Gewalt, sondern nur durch liebevolle Überzeugung“. Und somit besaß Xenophon ein hohes ethisches Verantwortungsbewusstsein. Aus seiner Sicht hatte das Pferd eine eigene Persönlichkeit, die es zu respektieren galt und noch mehr: Es sollte ein Partner für den Menschen sein und ihm nicht als Knecht dienen müssen.

Xenophon wusste bereits damals, dass ein Pferd trainiert werden muss, um ein gutes Reitpferd zu werden und zu sein.

Zitat: „Unfolgsame nutzen im Kampf mehr den Feinden als den Freunden.“

Über den Reitersitz vermittelt uns Xenophon folgendes (Anmerkung: damals wurde noch ohne Sattel geritten):  „Aber einen Sitz wie auf einem Sessel mit hochgezogenen Knien kann ich durchaus nicht loben. Richtig sitzt der Reiter, wenn er mit beiden Schenkeln gespreizt aufrecht, als ob er steht, auf dem Pferd sitzt. Denn auf diese Art wird er mit beiden Oberschenkeln sich mehr am Pferd festhalten, er reitet mit festerem Schluss und da er aufrecht ist, hat er mehr Kraft, vom Pferd herab den Wurfspieß zu schleudern oder auf die Feinde einzuschlagen. Vom Knie abwärts muss er das Schienenbein mit dem Fuß schlaff herabhängen lassen. Denn wenn er das Bein steif hält, würde er, wenn er an etwas anstößt, sich das Bein zerbrechen. Ist aber das Schienenbein leicht beweglich, so kann es, wenn e an etwa anstößt, nachgeben und den Oberschenkel dann gar nicht von der Stelle bewegen. Der Reiter muss auch seinen Körper oberhalb der Hüften daran gewöhnen, so leicht beweglich wie möglich zu sein. Denn so wird er sich noch viel mehr anstrengen können, und wenn ihn einer stößt oder zerrt, kann er weniger leicht vom Pferd geworfen werden.“

Ein weiteres Zitat von Xenophon, inspiriert von Simon (Anmerkung: Simon war ebenfalls ein Schriftsteller früherer Zeit, leider sind seine Überlieferungen nicht vollständig erhalten), das mir sehr gut gefällt, lautet: „Der Reiter, der ihm nichts zuleide tut, erzürnt es auch nicht. Denn was das Pferd gezwungen tut, das versteht es nicht, wie auch Simon gesagt hat.“

(Quelle: Exklusiv-Ausgabe Cavallo, Über die Reitkunst)

Alle Reitmeister, die nach Xenophon ihre Werke veröffentlichten, übernahmen Weisheiten von Xenophon, so auch der Vater, der Klassischen Reitkunst: Frederico Grisone. Den Artikel könnt Ihr hier lesen: Frederico Grisone


 

Quellenangabe: Bild: epilepsiemuseum.de. Text (c) Alexandra Cafuta, 
Monteton, Olms, Aus Respekt, Calme, en avant, droit, 
Xenophon:"Über die Reitkunst", "Der Reitoberst", 
Exclusiv-Ausgabe Cavallo
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