Ich möchte Euch von meinem Vogel von gestern erzählen, den ich völlig und gezielt abgeschossen habe und damit aufzeigen, dass auch wir Pferdemenschen nicht frei sind von Fehlern.

Gestern war Training an der Longe angesagt. Es war ein intensives Training und ich war mit meiner Stute zufrieden. Im Anschluss waren wir noch im Gelände bergauf und bergab spazieren und letztendlich wollte ich dann noch die Beine bzw. die Sehnen abspritzen.

Nun ist es so, dass meine Stute den Waschplatz, der am Eingang zur Stallgasse liegt, nicht mag. Es liegt nicht am Schlauch und auch nicht am Wasser an sich (wobei sie wohl nie eine Wasserratte wird), es liegt am Übergang von trockenem (hellen) auf den dunklen (nassen) Boden. Pfützenbildungen runden den Ort des Geschehens dann noch ab und meine Stute hat allen Grund, sämtliche Trolle aus dem Boden hüpfen zu sehen.

Keine Frage, wir hatten schon Phasen, da lief sie perfekt mit mir auf den Waschplatz. Aber regelmäßig in undefinierbaren Zeitabständen kommt der Tag und ich werde von meiner Stute mit riesigen Augen und vorwurfsvollem Blick vor dem Waschplatz angeschaut und ihre Gedanken kann man deutlich lesen: ‚Du spinnst wohl, dorthin gehen zu wollen, da ist ein Schlund, 2 km werden wir in die Tiefe stürzen und uns sämtliche Knochen brechen!‘

Meine Chancen, sie zu überzeugen, dass dem nicht so ist, gehen gen null. Ich rufe sämtliches theoretisches Wissen ab: positive Verstärkung, negative Verstärkung, loben bei 1mm nach vorwärts bewegen, ein Apfel vor die Nase halten, einen Eimer Hafer als Lockmittel verwenden, rückwärts richten: alles wird mit Ignoranz ihrerseits gestraft mit darauffolgenden klaren Aktionen ihrerseits, dass ich wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank habe…

Nun gut. Aufgeben ist nicht, denn es hat sich heraus gestellt, dass meine Stute in diesem Metier hoch intelligent und ausgebildet ist, wenn es darum geht, zu lernen, sich durchzusetzen, wenn sie etwas nicht will. Das überträgt sie dann fabelhaft auf alles, was ihr gerade so in den Sinn kommt.

Und so vergeht die Zeit… Der Mensch und das Pferd stehen vor dem Waschplatz und es tut sich… nichts. Die Stute erhaben und stolz mit eisernem Willen und der Mensch Pläne schmiedend, das Pferd überlisten zu können, ohne eine Eskalation zu provozieren.

Es tun sich nach und nach Gefühle beim Menschen auf, denn Plan A scheitert, Plan B scheitert kläglich und Plan C war für das Pferd dermaßen unbeeindruckend, dass es schon an eine Beleidigung grenzte. Der Mensch wird ungeduldig, maßregelt sich aber sofort. Der Mensch wird wütend, maßregelt sich aber sofort. Und dann klopft die Verzweiflung an: gar keine gute Idee. Hilfe weit und breit keine zu sehen. Aber eines bleibt unbeirrbar: der Wille der Stute, die sich voller Siegessicherheit immer mehr brüstet (dass sie nicht mit den Vorderhufen auf ihre Brust trommelt, ist alles) und das Vergehen der Zeit…

Und da kommt der siegessichere Einfall des Menschen! Ha! Geht das Pferd nicht zum Schlauch, kommt der Schlauch zum Pferd. Mit der Longe am Pferd überhaupt kein Problem. Also geht der Mensch zum Schlauch, öffnet den Hahn, öffnet das Ventil und läuft mit dem Gedanken ‚Schachmatt‘ zum Pferd.

Die schlitzigen Augen meiner Stute verraten mir: the mare is not amused! Aber das bringt sie noch lange nicht zum Ausrasten…

Vielmehr beobachtet sie haarscharf den Boden, wie er dunkel und nass wird und ist mehr als erstaunt, dass wir nicht in die Tiefe stürzen, was aber in jedem Fall innerhalb der nächsten Sekunde passieren wird, das weiß sie ganz genau und quittiert es mit einem Röcheln mit der Nase tief am Boden. Der Mensch redet beruhigend auf das Pferd ein und verhält sich fortwährend so, als sei dies, was wir gerade tun, das normalste der Welt.

Und dann sieht es der Mensch: vor lauter Pläne schmieden, hat er völlig vergessen, die Gamaschen an den Vorderbeinen zu entfernen. Da hat man nun den wasserspritzenden Schlauch in der einen Hand, eine etwas angespannte Stute an der anderen Hand und zwei Gamaschen sowie zwei Hufglocken an den Vorderbeinen des Pferdes, die entfernt werden möchten, wenn man die Vorderbeine denn abspritzen will.

Aber: der Mensch ist ja nicht blöd. Also tritt er mit dem Fuß auf den wasserspritzenden  Schlauch und hält ihn so in Schach, während er mit der nun frei gewordenen Hand versucht, die Gamaschen bei dem vor Aufregung piaffierendem Pferd zu lösen 😛

Und dann passiert, was nicht passieren soll…

Der Schlauch erfüllt sich mit Leben und macht sich selbständig. Aus einem wasserspritzenden Schlauch wird eine hochgefährliche, giftspritzende und um sich in einer S-Form windende Schlange, während der Mensch in der einen Hand ein fassungsloses Pferd hält und mit der anderen Hand noch schnell die letzte Hufglocke löst.

Die Gedanken der Stute waren bildlich in der Luft zu erfassen: ‚Du spinnst doch völlig, das ist der Gipfel, mich ernsthaft dieser Schlange auszusetzen!‘, während wir schön regelmäßig von links nach rechts und von rechts nach links in verschiedensten Höhen abgeduscht wurden. Die anderen Pferde spickelten vorsichtig zu uns und schrieben bereits die Plakate: Mensch zu verkaufen. Absolut nicht anfängertauglich, vor Dummheit protzend, zum Schlachtpreis!

Ich konnte nicht anders. Der Schlauch made my day. Ich konnte nicht mehr an mich halten und fing an, schallend zu lachen. Die Situation war so komisch und meine Stute schaute mich nur verdutzt an. Es ist wirklich alles schief gelaufen, was nur hat schief laufen können und dass meine Stute nicht völlig ausgerastet ist und die Flucht ergriffen hat, lag wohl ausschließlich daran, dass ich den Vorgang so zum Lachen fand, dass sich in mir keine Spannung aufbaute, was sie vermutlich nur in einer sich anbahnenden Eskalation bestätigt hätte.

Irgendwann gelang es mir, den Schlauch zu fassen und mit dem eigentlichen Vorhaben zu beginnen, nämlich die Beine abzuspritzen. Wir blieben noch lange dort stehen, so lange, bis ich sicher war, dass sich meine Stute beruhigt hat, aber mit dem Lachen konnte ich den ganzen Abend nicht mehr aufhören. Das war das Beispiel schlechthin für: So nicht!

Bin mal gespannt, was für ein langer, steiniger Weg das jetzt wird, bis meine Stute den Waschplatz wieder akzeptiert. Aber hey, so ist das jetzt nun mal-ich habe da für sie vollstes Verständnis, nach dieser Erfahrung, die sie machen musste 🙂

Habt Ihr auch schon einen ordentlichen Bock geschossen, der dann Arbeit mit dem Pferd nach sich zog, um das Geschehene wieder gerade zu biegen?

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