DIE DRESSUR – IHRE BEDEUTUNG HEUTE MAL ANDERS

Jetzt sind wir doch mal ehrlich. Wenn wir an die Dressurreiterei denken, an gut trainierte und gymnastizierte Pferde, an die Harmonie zwischen Pferd und Reiter, träumen wir da nicht von dem Tanz zweier Seelen, der Tanz der Seele des Menschen mit der Seele des Pferdes – schwebend über das mit Liebe zum Detail geschmückte Parkett?

In etwa so:

Wir wollten ehrlich bleiben. Das ist keine Dressur! Das ist missbräuchliches Reiten. Das ist unharmonisches Reiten. Hier wird mit physischer Gewalt am Pferd und Zwang geritten. Das einzige, was das hier nicht ist, ist Dressur.

WAS BEDEUTET DRESSUR ALLGEMEIN?

Das Wort Dressur (dresser) stammt ursprünglich aus dem Französischen und bedeutet abrichten, drillen, dressieren. Genauer gesagt: Abrichten von Tieren, besonders von Pferden und Hunden; das allmähliche Erlernen von Verhaltensweisen bei Tieren unter Anleitung eines Dresseurs (Trainers).

Dieses Bild hier sollte es ganz gut treffen:

Ist dieses Bild nicht wunderschön? Die Reiterin möchte uns damit sicherlich signalisieren, dass sie sich mit ihrem Pferd unendlich verbunden fühlt – fast wie mit ihrem Ehemann. Verheiratet, sich respektierend, in Harmonie ihres Weges tanzend den Lebensabschnitt genießend. Beeindruckend. Man kann es verstehen. Das Pferd muss nicht sehen, wohin es läuft, es reicht, wenn es der Dresseur kann.

WAS BEDEUTET DRESSUR IN BEZUG AUF DIE REITEREI?

Zitat :

„DRESSUR

DIE REIT-KÜNSTLER

Wenn Pferd und Reiter scheinbar zu einem Lebewesen verschmelzen und sich wie ein eingespieltes Tanzpaar im Gleichklang über das Viereck bewegen – dann ist das höchste Ziel des Dressurreitens erreicht: Reitsport wird zu Reitkunst. 

Ziel jeder reiterlichen Ausbildung ist die Harmonie von Reiter und Pferd. Dressurreiten ist mehr als das Absolvieren und Präsentieren von Lektionen und Figuren. Diese Übungen zielen darauf, das Pferd gymnastisch auszubilden und es zu erziehen. Mit Hilfe der Dressur erreicht der Reiter, dass sein Pferd gehorsam auf seine sensibel eingesetzten Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen reagiert. Ein gut gerittenes Pferd ist die beste Voraussetzung für Sicherheit im Pferdesport. Dressurreiten erhöht zudem die Leistungsfähigkeit des Pferdes. Im besten Sinne dient es der Gesunderhaltung des Pferdes, denn durch das Training werden die Kräfte des Pferdes gestärkt und seine Glieder gelenkig gemacht.“

Achtung! Das ist der Seite der FN zu entnehmen. Und zwar hier: Dressur – die Reitkunst. Das sagt die FN dazu.

Wir wiederholen: … dass sein Pferd gehorsam auf seine sensibel eingesetzten Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen reagiert.

Zügelhilfen in etwa wie dieses Bild hier zeigt:

Gehorsam wird dieses Pferd hier allemal sein. Es kaut auch zufrieden ab und bildet den gewünschten Schaum, sodass wir resultieren können, dass es fleißig mit den Bauchmuskeln arbeitet, gut über den Rücken geht und schlussendlich gut geritten und gymnastiziert wird.

Weiter wiederholen wir:

… denn durch das Training werden die Kräfte des Pferdes gestärkt und seine Glieder gelenkig gemacht.

In etwa so:

Stumpfe und tote Augen sind ein deutliches Anzeichen dafür, dass das Pferd sein Vertrauen und seine Beziehung zu seinem Reiter bzw. Menschen gekündigt hat. Wobei wir nicht vergessen dürfen, wie wichtig die Dressur für die Gesunderhaltung des Pferdes ist. Auch wenn die Augen sterben, die gymnastizierende Gesunderhaltung ist wichtiger.

Man könnte nun noch Tausende von derartigen Bildern ergänzen, aber eines ist klar: Gesunderhaltung, Gymnastizierung, Reitsport und vor allem die Reitkunst sollte sich mit keinem einzigen dieser gezeigten Bilder identifizieren können. Diese Bilder zeigen unglückliche, unter zugefügten Schmerzen und Zwang gerittene Pferde. Mit Sicherheit gibt es viele Momentaufnahmen. Aber sind wir wieder ehrlich zueinander: es gibt viel zu viele dieser Momentaufnahmen!

Wir müssen sensibel bleiben für das, was wir sehen (wollen). Es darf nicht romantisiert und zur Gewohnheit werden. Das Internet ist voll von Bildern und Videos, die angeblich der Dressur des Pferdes zugeordnet werden sollen.

Vieles davon ist weit entfernt von der Dressur im Sinne des Pferdes – sehr weit davon entfernt. Es ist richtig, die Dressur des Pferdes ist die Basis für jegliche reiterliche Nutzung. Die Dressur macht es möglich, dass das Pferd durch das Reiten keine gesundheitlichen Schäden davon trägt. Aber es gibt nicht nur die körperliche Gewalt am Pferd. Es gibt auch die Psychische. Und die Ungeduld des Menschen ist der erste Schritt dahin.

DIE ROLLKUR BEGANN MIT ANKY VAN GRUNSVEN

Viele nehmen an, dass die missbräuchliche Trainingsmethode am Lebewesen Pferd durch Rollkur / Hyperflexion mit Anky van Grunsven und ihrem Trainer sowie Ehemann Sjef Janssen begann.

Ganz so ist es aber nicht.

Vor Anky und Sjef gab es noch Isabell und Nicole.

Bereits 1995 in Aachen nutzten sowohl Isabell Werth als auch Nicole Uphoff die Hyperflexion, um ihre Pferde gefügig zu machen. Beider Trainer zum damaligen Zeitpunkt war Uwe Schulten-Baumer.  Schulten-Baumer wird im Zusammenhang mit der Ausbildung Rembrandts teilweise als Erfinder der Rollkur genannt.

Nun, selbst wenn Anky und Sjef die Erfinder der Rollkur-Trainingsmethode sind, so waren es doch Isabell Werth und Nicole Uphoff, die diese umstrittene Trainingsmethode der Welt vorstellten.

In der Tat, wenn man sich älteres Bildmaterial von Anky van Grunsven anschaut und zwar aus der Zeit, als das Anwenden der Rollkur bei Zuschauern erstmals eine schockierende Erregung auslöste, dann sieht ihre Trainingsmethode (Hyperflexion) der von Isabell Werth gezeigten aus dem Jahre 1995 in Aachen auf ihrem Gigolo sehr ähnlich.

Dennoch war es 1995 nicht das erste Mal, dass man die Anwendung von Rollkur / Hyperflexion gesehen hat, es ist lediglich das erste bzw. älteste Video, auf welches man öffentlich Zugriff hat.

Gehen wir nochmal 5 Jahre weiter zurück:

Dressur-Richterin und Trainerin Anne Gribbons sagt, dass sie die Technik (Rollkur) zum ersten Mal bei den Weltreiterspielen 1990 in Stockholm gesehen hat. „Es wurde von Nicole Uphoff bei ihrem Pferd Rembrandt im Warm-Up eingesetzt“, sagt Anne, die in Spitzenpositionen in den USA und im Ausland amtierte und antrat.

NICOLE UPHOFF UND DIE ROLLKUR

Nicole Uphoff hat sich zwar aus dem Sport zurückgezogen, doch Isabell Werth setzt diese hässliche Trainingsmethode fort.

Ein jedes Mal, wenn Isabell Werths Erfolge angepriesen und hochgelobt werden, sollte man sich die ein oder anderen Fakten nochmals zu Gemüte führen.

ISABELL WERTHS DOPING-SKANDALE

Isabell Werth wurde bereits mehrfach erwischt, sich nicht an die Doping-Regeln gehalten zu haben.

Im Jahr 2009 wurde Isabell Werths Pferd Whisper positiv auf ein Medikament getestet, das zur Behandlung von Shivering-Syndromen, einer Substanz, die verboten ist, verwendet wurde. Werth behauptete, dass Shivering absolut keinen Einfluss auf die Fähigkeit von Whisper hat, sich mit seinesgleich vermögenden Pferden zu messen. Aber man sollte dringend daran zweifeln, wenn man die Symptome von Shivering betrachtet:

  • Muskelzittern der Hinterhand, der Hinterbeine und des Schweifes
  • ein spastischer Gang, wenn das Pferd rückwertsgerichtet wird
  • Schwierigkeiten, auf 3 Beinen zu stehen
  • Muskelzucken
  • Museklathrophie
  • Kraftverlust
  • Gesichtszucken
  • Unruhezustand
  • etc.

Gesetz des Falles, Whisper leidet unter dem Shivering-Syndrom – sollte dieses Pferd sich tatsächlich dann mit anderen Pferden auf einem derart anspruchsvollen Niveau messen müssen? Moralisch gesehen, wissen wir die Antwort nur zu gut. Weitere Informationen hierzu erhalten Sie per Klick auf diesen Link: Isabell Werth bedauert zutiefst, gedopt zu haben.

Natürlich war 2009 auch das Jahr, in dem das Deutsche Reiterteam wegen weit verbreiteter Dopingprobleme aufgelöst wurde.

2013 wurde Isabell Werth nach einer weiteren Doping-Relevanz mit ihrem Pferd El Santo suspendiert. Diesmal beschuldigte sie El Santos Stallnachbarn. Da scheint etwas faul zu sein. Wenn man denn weiß, dass die Substanz für den Wettbewerb illegal ist, warum sollten Sie Ihren Stall so sorglos managen, dass eine solche leichte Kreuzkontamination möglich ist? War das wirklich ein Zufall?

Man kann durchaus in Erwägungen ziehen, dass, wenn man in ethnisch und moralisch in der Lage ist, das Lebewesen Pferd durch Missbrauch und Gewalteinwirkung – nichts anderes ist Rollkur oder auch Hyperflexion genannt, zur Hochleistung zu zwingen, ist die Bereitschaft, gegen Doping-Regeln zu verstoßen, um sich den Sieg und Erfolg zu sichern, nicht von der Hand zu weisen.

Wenn Sie bereit sind, Rollkur zu verwenden, um um jeden Preis zu gewinnen, warum nicht auch Ihre Pferde dopen und hoffen, damit durchzukommen?

Schlussendlich ist es egal, wer den Rollkur-Missbrauch gestartet hat. Es stellt sich lediglich die Frage, wie beenden wir es endgültig. Und nein! Auch 10 Minuten sollten nicht erlaubt sein.

Wie sagte Philippe Karl so treffend:

“Es ist ja auch nicht erst nach 10 Minuten strafbar, wenn eine Frau vergewaltigt wird!”

Es reicht nicht, der FN oder FEI den Rücken zu kehren. Aber man kann diesen gequälten Pferden eine Stimme geben. Ein jeder kann es.