Rund Ums Pferd: Alles über Reiten

erstmals angenommen, dass Menschenreiten Pferde Vor 5.500 Jahren wurde. Sie wurden zuerst in den Ebenen des Nahen Ostens domestiziert. Von da an war die Verwendung von Pferden für Milch und Transport weit verbreitet. Wenn Sie zum ersten Mal reiten, müssen Sie einige grundlegende Dinge lernen. Schauen Sie sich einige Tipps zum Reiten an: 

  1. Begrüßen Sie Ihr Pferd
    – Bevor Sie überhaupt auf das Feld gehen, gehen Sie zu Ihrem Pferd und begrüßen Sie es. Stellen Sie sicher, dass Sie sich Ihrem Pferd nähern, wo es Sie sehen kann. Gehen Sie vorsichtig auf Sie zu und sagen Sie Hallo. Streichle ihren Kopf und Körper. Lassen Sie ihn wissen, dass Sie sich auf den Aufstieg vorbereiten. Dies verhindert die Angst Ihres Pferdes.
  2. Schnelle und sorgfältige
    Montage – Bei der Montage empfiehlt es sich, den Kopf Ihres Pferdes zu halten. Setzen Sie einen Fuß auf den Steigbügel und heben Sie sich an. Schwingen Sie Ihren anderen Fuß über und setzen Sie sich richtig. Legen Sie während der Montage nicht zu viel Gewicht auf den Rücken Ihres Pferdes. Dies kann Schmerzen verursachen.
  3. Sitzen Sie gerade
    – Sobald Sie auf dem Pferd sitzen, sitzen Sie still und gerade. Behalten Sie eine gute Haltung bei. Dies wird Ihnen helfen, besser zu sehen und eine gute Balance zu finden. Es wird auch Rückenschmerzen vermeiden.
  4. Entspannen Sie sich
    – Pferde sind sehr intelligent. Sie können erkennen, wann Sie Angst haben. Atme tief ein und bleib ruhig. Wie Sie reagieren, bestimmt auch das Verhalten Ihres Pferdes. Halten Sie das Gleichgewicht, damit auch Ihr Pferd Sie tragen kann.
  5. Seien Sie sanft
    – Seien Sie vorsichtig, wenn Sie an den Zügeln ziehen. Einige Pferde ärgern sich, wenn Menschen zu stark ziehen. Infolgedessen können Sie von seinem Rücken abgehoben werden. Nehmen Sie es langsam und führen Sie Ihr Pferd sanft.
  6. Beobachten Sie, wohin Sie gehen
    – Lassen Sie sich beim Fahren nicht ablenken. Auch wenn die Landschaft ein Blickfang sein könnte, müssen Sie aufpassen, wohin Sie gehen. Ihr Pferd wird nicht anhalten, wenn Sie nicht an den Zügeln ziehen. Dies hilft, unerwünschte Unfälle zu vermeiden.
  7. Tragen Sie die richtige Ausrüstung
    – Tragen Sie die richtige Ausrüstung für Sicherheit und Komfort. Dazu gehören ein Helm und gute Reitschuhe. Es ist am besten, Hosen und langärmelige Hemden für die Hitze zu tragen. Vermeiden Sie es, lose Gegenstände wie Schals oder Accessoires zu tragen, die sich an den Zügeln oder anderen Elementen verfangen können.
  8. Bewegen Sie sich mit Ihrem Pferd
    – Wenn Sie mit Ihrem Pferd laufen oder laufen, achten Sie darauf, das Gleichgewicht zu halten. Bewegen Sie Ihren Körper genauso wie Ihr Pferd. Dies wird dazu beitragen, Ihr Gleichgewicht zu verbessern. Es wird auch Ihrem Pferd helfen, Sie besser zu tragen.
  9. Richtig demontieren
    – Das Demontieren ist genauso wichtig wie das Montieren. Wenn möglich, lassen Sie Ihr Pferd von jemandem ruhig halten, während Sie vorsichtig aussteigen.

DIE DRESSUR – IHRE BEDEUTUNG HEUTE MAL ANDERS

Jetzt sind wir doch mal ehrlich. Wenn wir an die Dressurreiterei denken, an gut trainierte und gymnastizierte Pferde, an die Harmonie zwischen Pferd und Reiter, träumen wir da nicht von dem Tanz zweier Seelen, der Tanz der Seele des Menschen mit der Seele des Pferdes – schwebend über das mit Liebe zum Detail geschmückte Parkett?

In etwa so:

Wir wollten ehrlich bleiben. Das ist keine Dressur! Das ist missbräuchliches Reiten. Das ist unharmonisches Reiten. Hier wird mit physischer Gewalt am Pferd und Zwang geritten. Das einzige, was das hier nicht ist, ist Dressur.

WAS BEDEUTET DRESSUR ALLGEMEIN?

Das Wort Dressur (dresser) stammt ursprünglich aus dem Französischen und bedeutet abrichten, drillen, dressieren. Genauer gesagt: Abrichten von Tieren, besonders von Pferden und Hunden; das allmähliche Erlernen von Verhaltensweisen bei Tieren unter Anleitung eines Dresseurs (Trainers).

Dieses Bild hier sollte es ganz gut treffen:

Ist dieses Bild nicht wunderschön? Die Reiterin möchte uns damit sicherlich signalisieren, dass sie sich mit ihrem Pferd unendlich verbunden fühlt – fast wie mit ihrem Ehemann. Verheiratet, sich respektierend, in Harmonie ihres Weges tanzend den Lebensabschnitt genießend. Beeindruckend. Man kann es verstehen. Das Pferd muss nicht sehen, wohin es läuft, es reicht, wenn es der Dresseur kann.

WAS BEDEUTET DRESSUR IN BEZUG AUF DIE REITEREI?

Zitat :

„DRESSUR

DIE REIT-KÜNSTLER

Wenn Pferd und Reiter scheinbar zu einem Lebewesen verschmelzen und sich wie ein eingespieltes Tanzpaar im Gleichklang über das Viereck bewegen – dann ist das höchste Ziel des Dressurreitens erreicht: Reitsport wird zu Reitkunst. 

Ziel jeder reiterlichen Ausbildung ist die Harmonie von Reiter und Pferd. Dressurreiten ist mehr als das Absolvieren und Präsentieren von Lektionen und Figuren. Diese Übungen zielen darauf, das Pferd gymnastisch auszubilden und es zu erziehen. Mit Hilfe der Dressur erreicht der Reiter, dass sein Pferd gehorsam auf seine sensibel eingesetzten Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen reagiert. Ein gut gerittenes Pferd ist die beste Voraussetzung für Sicherheit im Pferdesport. Dressurreiten erhöht zudem die Leistungsfähigkeit des Pferdes. Im besten Sinne dient es der Gesunderhaltung des Pferdes, denn durch das Training werden die Kräfte des Pferdes gestärkt und seine Glieder gelenkig gemacht.“

Achtung! Das ist der Seite der FN zu entnehmen. Und zwar hier: Dressur – die Reitkunst. Das sagt die FN dazu.

Wir wiederholen: … dass sein Pferd gehorsam auf seine sensibel eingesetzten Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen reagiert.

Zügelhilfen in etwa wie dieses Bild hier zeigt:

Gehorsam wird dieses Pferd hier allemal sein. Es kaut auch zufrieden ab und bildet den gewünschten Schaum, sodass wir resultieren können, dass es fleißig mit den Bauchmuskeln arbeitet, gut über den Rücken geht und schlussendlich gut geritten und gymnastiziert wird.

Weiter wiederholen wir:

… denn durch das Training werden die Kräfte des Pferdes gestärkt und seine Glieder gelenkig gemacht.

In etwa so:

Stumpfe und tote Augen sind ein deutliches Anzeichen dafür, dass das Pferd sein Vertrauen und seine Beziehung zu seinem Reiter bzw. Menschen gekündigt hat. Wobei wir nicht vergessen dürfen, wie wichtig die Dressur für die Gesunderhaltung des Pferdes ist. Auch wenn die Augen sterben, die gymnastizierende Gesunderhaltung ist wichtiger.

Man könnte nun noch Tausende von derartigen Bildern ergänzen, aber eines ist klar: Gesunderhaltung, Gymnastizierung, Reitsport und vor allem die Reitkunst sollte sich mit keinem einzigen dieser gezeigten Bilder identifizieren können. Diese Bilder zeigen unglückliche, unter zugefügten Schmerzen und Zwang gerittene Pferde. Mit Sicherheit gibt es viele Momentaufnahmen. Aber sind wir wieder ehrlich zueinander: es gibt viel zu viele dieser Momentaufnahmen!

Wir müssen sensibel bleiben für das, was wir sehen (wollen). Es darf nicht romantisiert und zur Gewohnheit werden. Das Internet ist voll von Bildern und Videos, die angeblich der Dressur des Pferdes zugeordnet werden sollen.

Vieles davon ist weit entfernt von der Dressur im Sinne des Pferdes – sehr weit davon entfernt. Es ist richtig, die Dressur des Pferdes ist die Basis für jegliche reiterliche Nutzung. Die Dressur macht es möglich, dass das Pferd durch das Reiten keine gesundheitlichen Schäden davon trägt. Aber es gibt nicht nur die körperliche Gewalt am Pferd. Es gibt auch die Psychische. Und die Ungeduld des Menschen ist der erste Schritt dahin.

DIE ROLLKUR BEGANN MIT ANKY VAN GRUNSVEN

Viele nehmen an, dass die missbräuchliche Trainingsmethode am Lebewesen Pferd durch Rollkur / Hyperflexion mit Anky van Grunsven und ihrem Trainer sowie Ehemann Sjef Janssen begann.

Ganz so ist es aber nicht.

Vor Anky und Sjef gab es noch Isabell und Nicole.

Bereits 1995 in Aachen nutzten sowohl Isabell Werth als auch Nicole Uphoff die Hyperflexion, um ihre Pferde gefügig zu machen. Beider Trainer zum damaligen Zeitpunkt war Uwe Schulten-Baumer.  Schulten-Baumer wird im Zusammenhang mit der Ausbildung Rembrandts teilweise als Erfinder der Rollkur genannt.

Nun, selbst wenn Anky und Sjef die Erfinder der Rollkur-Trainingsmethode sind, so waren es doch Isabell Werth und Nicole Uphoff, die diese umstrittene Trainingsmethode der Welt vorstellten.

In der Tat, wenn man sich älteres Bildmaterial von Anky van Grunsven anschaut und zwar aus der Zeit, als das Anwenden der Rollkur bei Zuschauern erstmals eine schockierende Erregung auslöste, dann sieht ihre Trainingsmethode (Hyperflexion) der von Isabell Werth gezeigten aus dem Jahre 1995 in Aachen auf ihrem Gigolo sehr ähnlich.

Dennoch war es 1995 nicht das erste Mal, dass man die Anwendung von Rollkur / Hyperflexion gesehen hat, es ist lediglich das erste bzw. älteste Video, auf welches man öffentlich Zugriff hat.

Gehen wir nochmal 5 Jahre weiter zurück:

Dressur-Richterin und Trainerin Anne Gribbons sagt, dass sie die Technik (Rollkur) zum ersten Mal bei den Weltreiterspielen 1990 in Stockholm gesehen hat. „Es wurde von Nicole Uphoff bei ihrem Pferd Rembrandt im Warm-Up eingesetzt“, sagt Anne, die in Spitzenpositionen in den USA und im Ausland amtierte und antrat.

NICOLE UPHOFF UND DIE ROLLKUR

Nicole Uphoff hat sich zwar aus dem Sport zurückgezogen, doch Isabell Werth setzt diese hässliche Trainingsmethode fort.

Ein jedes Mal, wenn Isabell Werths Erfolge angepriesen und hochgelobt werden, sollte man sich die ein oder anderen Fakten nochmals zu Gemüte führen.

ISABELL WERTHS DOPING-SKANDALE

Isabell Werth wurde bereits mehrfach erwischt, sich nicht an die Doping-Regeln gehalten zu haben.

Im Jahr 2009 wurde Isabell Werths Pferd Whisper positiv auf ein Medikament getestet, das zur Behandlung von Shivering-Syndromen, einer Substanz, die verboten ist, verwendet wurde. Werth behauptete, dass Shivering absolut keinen Einfluss auf die Fähigkeit von Whisper hat, sich mit seinesgleich vermögenden Pferden zu messen. Aber man sollte dringend daran zweifeln, wenn man die Symptome von Shivering betrachtet:

  • Muskelzittern der Hinterhand, der Hinterbeine und des Schweifes
  • ein spastischer Gang, wenn das Pferd rückwertsgerichtet wird
  • Schwierigkeiten, auf 3 Beinen zu stehen
  • Muskelzucken
  • Museklathrophie
  • Kraftverlust
  • Gesichtszucken
  • Unruhezustand
  • etc.

Gesetz des Falles, Whisper leidet unter dem Shivering-Syndrom – sollte dieses Pferd sich tatsächlich dann mit anderen Pferden auf einem derart anspruchsvollen Niveau messen müssen? Moralisch gesehen, wissen wir die Antwort nur zu gut. Weitere Informationen hierzu erhalten Sie per Klick auf diesen Link: Isabell Werth bedauert zutiefst, gedopt zu haben.

Natürlich war 2009 auch das Jahr, in dem das Deutsche Reiterteam wegen weit verbreiteter Dopingprobleme aufgelöst wurde.

2013 wurde Isabell Werth nach einer weiteren Doping-Relevanz mit ihrem Pferd El Santo suspendiert. Diesmal beschuldigte sie El Santos Stallnachbarn. Da scheint etwas faul zu sein. Wenn man denn weiß, dass die Substanz für den Wettbewerb illegal ist, warum sollten Sie Ihren Stall so sorglos managen, dass eine solche leichte Kreuzkontamination möglich ist? War das wirklich ein Zufall?

Man kann durchaus in Erwägungen ziehen, dass, wenn man in ethnisch und moralisch in der Lage ist, das Lebewesen Pferd durch Missbrauch und Gewalteinwirkung – nichts anderes ist Rollkur oder auch Hyperflexion genannt, zur Hochleistung zu zwingen, ist die Bereitschaft, gegen Doping-Regeln zu verstoßen, um sich den Sieg und Erfolg zu sichern, nicht von der Hand zu weisen.

Wenn Sie bereit sind, Rollkur zu verwenden, um um jeden Preis zu gewinnen, warum nicht auch Ihre Pferde dopen und hoffen, damit durchzukommen?

Schlussendlich ist es egal, wer den Rollkur-Missbrauch gestartet hat. Es stellt sich lediglich die Frage, wie beenden wir es endgültig. Und nein! Auch 10 Minuten sollten nicht erlaubt sein.

Wie sagte Philippe Karl so treffend:

“Es ist ja auch nicht erst nach 10 Minuten strafbar, wenn eine Frau vergewaltigt wird!”

Es reicht nicht, der FN oder FEI den Rücken zu kehren. Aber man kann diesen gequälten Pferden eine Stimme geben. Ein jeder kann es.

AUFSTELLUNG FÜR PFERDE – WAS IST DAS GENAU? EIN INTERVIEW MIT ANGELIKA HUTMACHER

Ich hatte die Möglichkeit, mit Angelika Hutmacher (50), Therapeutin für Pferd und Mensch, über ihren Beruf und damit verbundene Berufung, zu sprechen.

Ich kenne Angelika schon seit einiger Zeit und kann über sie persönlich sagen, dass es sich um eine angenehme, behutsame und ausgeglichene Persönlichkeit handelt. Angelika ist für mich ein Mensch, dem ich all meine Sorgen und all meine Probleme anvertrauen würde – seien es Probleme, die mich selbst, aber auch Probleme, die mein Pferd betreffen.

Für mich hat Angelika die Fähigkeit, Menschen aufzufangen, Menschen durch schwierige Lebensphasen zu begleiten, Trost und Halt zu spenden, Wege aufzuweisen und zuzuhören und dabei genau hinzuhören. Ihre feine Art, ihr sensibles Vorgehen, die Achtung, die sie wie selbstverständlich mitbringt, öffnen ihr auch die Wege, mit Pferden zu kommunizieren, zu arbeiten und sich zu verständigen, die für den ein oder anderen im ersten Moment nicht nachvollziehbar zu sein scheint.

Ich interessiere mich für Psychologie und deren Therapiemöglichkeiten, seit ich denken kann – Teile dieser Arbeit auf die Arbeit mit Pferden zu übertragen, das war für mich allerdings neu und war Anlass genug, mit Angelika genau über dieses Thema zu sprechen.

DAS INTERVIEW

Liebe Angelika, wir kennen uns nun seit einiger Zeit und nun fasse ich den Mut und stelle Dir Fragen zu Deiner Arbeit – vor allem zu Deiner psychologischen Arbeit mit Pferden, die als Ziel hat, Probleme zwischen Pferd und Mensch zu erklären und dadurch zu lösen. Bevor wir dies erkunden, finde ich es wichtig, ein wenig mehr über Dich zu erfahren.

Wie bist Du aufgewachsen, Angelika. Was in Deiner Kindheit hat Dich geprägt?

Angelika Hutmacher: „Hallo Alexandra, aufgewachsen bin ich in einem sehr beschaulichen Dorf in der Nähe von Baden-Baden. Weltoffen und durch die Rennbahn waren Pferde immer ein großes Thema. Selbst in unserem kleinen Dorf gab es einen großen Pferdestall mit 50 Pferden, unsere Nachbarn hatten neben Ziegen und Hühner auch Pferde und meine Großmutter verreiste regelmäßig mit mir in den Ferien auf einen Bauernhof in Hessen, wo auch neben der Rinderzucht viele Ponys und weitere Kleintiere lebten. Wie Du siehst, habe ich seit Kindheit an schon immer Kontakt zu Pferden. Ich selbst empfinde meine Kindheit als eingebettet in ein relativ friedliches Familienleben mit Tieren.“

Welche negativen Erlebnisse, liebe Angelika, waren jene, die sowohl Dich als Person als auch Deinen Lebensweg nachhaltig geprägt haben?

Angelika Hutmacher: „Schwere Einschnitte waren die Pflege und der Tod meiner Oma, als ich 14 Jahre alt war, der Wegzug in ein anderes Dorf, als ich 16 Jahre alt war und dann die Krebserkrankung. Dies hat sicher viel weiteres geprägt.“

Seit wann hast Du mit Pferden zu tun und besitzt Du selber eigene Pferde?

Das Leben auf dem Dorf ermöglichte mir, mit 5 Jahren mit dem Voltigieren zu beginnen und hatte dann mein erstes Pflegepferd. Ab meinem 12. Lebensjahr hatte ich kontinuierlich mit Pferden zu tun, bis ich 24 Jahre alt war. Durch meine schwierige erste Ehe, den damaligen Job und meine eigene Krebserkrankung mit 28 Jahren machte ich dann eine Pferdepause. Sobald mein Überleben gesichert war, kaufte ich mir mein erstes eigenes Pferd. Damals war ich 30 Jahre alt und ich fand meinen Seelengefährten Ramiro, ein PRE. Ramiro begleitete mich von meiner ausklingenden Krankheit durch viele Entwicklungsschritte. Aufgrund seiner körperlichen Probleme musste und konnte ich sehr viel auch mit der Aufstellungsarbeit in Heilschritten erleben. Leider verstarb mein Ramiro vor 2 Jahren an einer Kolik.

Bald gesellte sich zu meinem ersten Pferd ein zweites. Als ich dann meinen jetzigen 2. Mann mit eigenem Hof kennenlernte, ging es schwups auf 5 Pferde. Zwei Rentner aus schlechter Haltung habe ich übernommen, welche ich nach einigen Jahren habe einschläfern lassen müssen. Nun habe ich seit 3 Jahren 3 Pferde.

Das ist der Spanier Wallach Devendo, den ich vom Schlachter als Beistellpferd gekauft habe. Er kam aus derart schlechten Verhältnissen, die man sich nicht vorstellen kann und die man keiner Pferdeseele wünscht. So weit es ging, habe ich ihn wieder aufgepäppelt, er ist aber immer wieder schwer erkrankt. Ich bin mir sicher, ohne Homöopathie und meine Aufstellungsarbeit wäre er wohl heute nicht mehr am Leben. 9 Jahre ist er jetzt bei mir und manch wunderbaren Ausritt habe ich mit ihm erlebt.

Meinen Warmblut Wallach Calypso, ein Rappschecke, den habe ich als Wunschpferd für meine Tochter gekauft. Er ist jetzt seit 2 Jahren bei mir. Er steckt mitten in der Pubertät, ist oft frech und braucht viel Liebe und Beständigkeit, um sich einzulassen.

Und dann ist da noch mein Westfalen-Hengst Florian, den ich an seinem 3. Lebenstag gekauft habe und der bei mir aufgewachsen ist. Mittlerweile genieße ich mit ihm die akademische Ausbildung bei Marius Schneider. Florian ist und bleibt mein Traumpferd.

Wie bist Du zu Deiner Arbeit „Aufstellung für Pferde“ gekommen?

Aufstellungsarbeit war schon von Anfang meiner Naturheilpraxis vor 22 Jahren ein wichtiges Standbein. Für mich selbst war es ein wichtiger Heilschritt aus meiner Krebserkrankung. In meine Praxis kam die erste Aufstellung für Pferde eigentlich als Trauerablöseprozess. Eine junge Frau sollte ihr Pferd einschläfern lassen, weil es sehr schwer an Sommerekzem erkrankt war. Durch die Familienaufstellung mit ihr, gesundete ihr Pferd wider Erwarten in wenigen Wochen. Dadurch war mein Forscherinstinkt erwacht. In den nächsten Jahren ergaben sich viele Aufstellungen für alle möglichen Tiere. Besonders in dem Stall, in dem ich mit meinem ersten Pferd war, konnte ich über Jahre für viele Kurs- und Berittpferde aufstellen. Dadurch strukturierte sich meine Arbeit. Ich baute dies als zweites Praxisthema in meinem Leben auf, gab viele Kurse und Vorträge in diesem Bereich, bis der erste Film über meine Arbeit gedreht wurde und sich daraus mein Buch im Cadmos Verlag ergab: Ich will Dich verstehen – Familienaufstellung für Pferde.

Wie würdest Du in 2 – 3 Sätzen Deine Arbeit erklären?

Die Probleme der Pferde sind:

  • sie haben zuchtbedingt Schwierigkeiten, genetische Schwächen der Elterntiere
  • sie bringen Probleme und Traumatisierungen mit aus ihrer Geschichte, wie zum Beispiel Stress beim Ablösen ihrer Mutterstute, Kastrationsschwierigkeiten, Herdenprobleme und oder Futterprobleme als Jungpferd etc.
  • sie sind mit den Konflikten der Züchter, Vorbesitzer oder dem jetzigen Besitzer in mentaler Belastung

Wenn man versteht, wo das Problem liegt, kann man sinnvoll handeln. Durch die Aufstellungen kann dies sichtbar gemacht werden bzw. können Lösungsschritte gelebt werden. Meist helfen erst dann die medizinischen oder naturheilkundlichen Therapien überhaupt oder um so besser. Andere Maßnahmen, Stallwechsel, passendes Herdenmanagement, korrigierendes Training können dann gezielt umgesetzt werden.

Bist Du der Meinung, dass die Arbeit „Aufstellung für Pferde“ mindestens genau so gut für den entsprechenden Besitzer des Pferdes ist?

Das kommt darauf an. Es gibt schon des öfteren Schnittmengen mit dem Besitzer. Wenn Pferde viel Gewalt in der Vorgeschichte erlebt haben, kommen diese Tiere häufig auch zu Besitzern, die (manchmal auch unbewusst) viel Verständnis haben, weil sie ebenso in der Kindheit Gewalt erlebt haben. Dann macht Heilen die Aufstellung oft beide Parteien.

Bringt ein Pferd ein schweres Schicksal mit, dann braucht der Besitzer nicht unbedingt eine Aufstellung. Das ergibt sich dann meist mit der Realität der Geschichte.

Geht es dem Pferd nach der Aufsetllung deutlich besser, kommen aber die Besitzer meist auf Ideen, was sie mit einer Aufstellung auch in ihrem System lösen könnten. Dies kann von Beziehungswünschen über Kinderwünsche bis Coaching zu Berufungsideen sein.

Welche Kundengruppe spricht Deine Arbeit an? Hast Du es ausschließlich mit Problempferden zu tun?

Ja, ich habe es immer mit Problempferden zu tun. Meist sind es wirklich Pferde mit sehr großen seelischen oder körperlichen Schmerzen. Häufig bin ich die Endstation, wenn bereits alles probiert wurde. Dann suchen Menschen im Internet nach weiteren Lösungen und kommen zu mir. Durch den steigenden Bekanntheitsgrad, vor allem durch mein Buch, wird es etwas leichter. Jetzt gibt es auch mal Pferde, die „normaler“ krank sind.

Was war Dein größter Erfolg und gab es auch mal Fälle, bei denen die Arbeit keinen zufriedenstellenden Erfolg brachte?

Ich habe immer sehr viel schwierige Fälle. Immer gibt es für Mensch und Pferd eine tiefgreifende Veränderung. Ich glaube, durch meine umfangreiche Internetseite und mein hohes Gratisangebot kommen wirklich nur Menschen zu mir, die mit der Methode und meiner Idee etwas anfangen können. Daher hatte ich seit Jahren keine unzufriedenen Menschen mehr.

Zeigen sich Deine (Neu-)Kunden oft skeptisch, während die betroffenen Pferde eher neugierig und kooperativ darauf reagieren?

Nein. Die Hemmschwelle, sich mir und der Aufstellungsarbeit generell zu öffnen ist so hoch, dass die Menschen, die zu mir kommen, einfach nur unglaublich toll sind. Sie sind sehr offen, sehr herzlich, sehr interessiert und sehr dankbar. Dadurch liebe ich Aufstellungen für Pferde ganz besonders. Mit den Pferden an sich habe ich weniger zu tun, sehr häufig stelle ich für den Besitzer die Aufstellung am Telefon oder per Skype auf.

Nenne uns Stichworte, bei denen es Sinn macht, mit Dir in Kontakt zu treten und um Deine Dienstleistung zu bitten.

  • Sorgen für und um Dein Pferd
  • Ungeklärte Probleme seelischer und körperlicher Art
  • wenn niemand mehr eine Idee hat
  • wenn Mensch gerne wissen möchte, was das Pferd fühlt und braucht

Dann ist die Austellungsarbeit eine tolle Sache, sich in sein Pferd und dessen Probleme einfühlen zu können. Die Methode bietet aber auch im Alltag, viele Möglichkeiten auszuprobieren, was für das Individuum Pferd passt und gut ist. All dies erkläre ich in meinem Buch umfassend.

Liebe Angelika, ich möchte Dir von Herzen für dieses nette und informative Interview danken und auch auf diesem Wege sagen, und das nicht nur als Mensch, sondern auch als Pferdebesitzer, dass ich glücklich bin, Dich in meinem Freundeskreis zu haben. Auch ich möchte ich Dir danken, dass Du tiefen Einblick in Dein Leben und in Deine Person gegeben hast. Es war wunderbar, näheren Einblick in Deine Arbeit zu erhalten. Sobald ich das Gefühl habe, Deine Hilfe zu benötigen oder vor allem, dass mein Pferd Deine Hilfe benötigt, werde ich mich an Dich wenden.

INTERVIEW ENDE

Hilfe – ich habe Angst vor meinem Pferd!

Der Ein oder Andere kennt vielleicht bereits das Gefühl. Gestern war die Welt noch in Ordnung und heute ist alles anders, denn es ist passiert. Ein Unbehagen in uns macht sich breit. Dabei waren wir uns doch so sicher im Umgang mit unserem Pferd und haben sogar anderen Tipps gegeben.

Manchmal reicht eine Sekunde, um die Beziehung zwischen Pferd und Mensch zu verändern. Und manchmal reicht diese eine Sekunde aus, um die Beziehung zu unserem Pferd leider auch ins Negative zu beeinflussen.

Erlebnisse wie Stürze, getreten oder gebissen werden oder vielleicht sogar vom eigenen Pferd umgerannt zu werden, können unser Empfinden an der Seite oder im Sattel unseres geliebten Vierbeiners von jetzt auf nachher verändern.

Manche möchten nicht über ihr Erlebtes sprechen, weil sie sich schämen, weil es sich anfühlt, als habe man einen Fehler gemacht. Andere werden wütend – wütend auf sich selbst oder wütend auf ihr Pferd.

Nun – wo lag der Fehler? Früher oder später wird man sich mit der Frage konfrontieren müssen, weil es hilft, zu verarbeiten, weil es hilft, zu verstehen und weil es vielleicht hilft, dass sich das Erlebte nicht wiederholt. Wir haben die Möglichkeit, das Geschehene zu analysieren, das Pferd jedenfalls wird es nicht tun. Aber das Pferd wird auf unser Unwohlsein an seiner Seite reagieren.

Pferde können unsere Angst riechen, sie können jede minimale veränderte Körperhaltung erfassen und – sie reagieren darauf. Die Quintessenz wird sein, dass sich die negativen Gefühle hochschaukeln und der Mensch dazu neigt, diese Situationen zu vermeiden. Er ist froh, wenn er das Pferd wieder „parken“ kann und sich distanzieren kann. Nicht selten versucht der Mensch, sein Empfinden zu überspielen. Die Stallkollegen sollen das Unwohlsein an der Seite des Pferdes nicht mitbekommen.

Wer hat denn schon Angst vor seinem Pferd? Wie peinlich ist das denn? Haben wir nicht letzte Woche noch große Sprüche geklopft, wie man das eine respektlose Pferd von XY besser erziehen sollte? Tja – unsere Angst interessiert es nicht, was letzte Woche war.

Was für Ansätze gibt es, um diese Angst zu verarbeiten und um die gute Beziehung zu unserem geliebten Vierbeiner wiederherzustellen?

Ich persönlich halte es für wichtig, über das Passierte zu sprechen. Es gibt keinen Grund, sich zu schämen. Es gibt kaum jemanden in seiner Laufbahn mit Pferd, der nicht schon mal dieses Gefühl erlebt hat und durchleben musste. 99,9% davon haben die Angst überwunden.

Wir müssen uns bewusst sein, dass es sich dabei um einen Prozess handelt. Unsere Psyche braucht Zeit und auch die Aufmerksamkeit, unangenehmes zu verarbeiten. Solange die Verarbeitung nicht im Gange ist, wird die Psyche immer Alarm schlagen, wenn man sie mit der Ursache konfrontiert. Bis das Erlebte nicht verarbeitet ist, ist für die Psyche das Pferd die Ursache der Angst, die sie plagt. Unser Kopf weiß es besser, aber der Verstand dominiert in dieser Phase nicht. Das ist unser Urinstinkt und hat uns über Millionen von Jahren unser Überleben gesichert – so wie der Fluchtinstinkt das Überleben der Pferde über noch längere Zeit gesichert hat.

Und deshalb ist es so wichtig, sich zu öffnen und darüber zu sprechen. Man wird erstaunt sein, auf wie viel Verständnis man stoßen wird. Wie einem mit Rat und Tat zur Seite gestanden wird. Auch sollte man dafür sorgen, dass man sich seinem Pferd gegenüber wieder öffnet. Es braucht jetzt viele positive Erlebnisse mit dem Pferd und in einem kann man sich sicher sein – das Pferd will die Harmonie mit dem Menschen.

Wenn die Beziehung mit dem Pferd völlig gestört ist und wir nicht mehr von Unwohlsein oder Ansätzen von Angst sprechen sondern Panik existiert, ist es selbstverständlich ratsam, einen Profi um Hilfe zu bitten, der wirklich im richtigen Moment reagiert und sehr schnell eingreift, um das Gefühl der Sicherheit für Mensch und Pferd wiederherzustellen.

Abschließen möchte ich den Artikel mit einem Beispiel – ein Beispiel, das etwas aufzeigt, das ich selbst erlebt habe:

Ich habe wirklich schon sehr viele Erlebnisse mit Pferden hinter mir: positive wie auch negative Erlebnisse. Aber ein besonderes Erlebnis brachte auch in mir die Angst beziehungsweise das Unwohlsein hervor.

Ich hatte meine Stute gerade mal zwei Wochen und stellte sie meinem Tierarzt vor. So standen wir draußen, unterhielten uns, während ich meine Stute am Halfter und Strick hielt. Sie war sehr nervös und tänzelte herum – ich schenkte ihrem Gehabe in dem Moment keine Aufmerksamkeit und eine Sekunde später gab sie Vollgas und rannte über mich drüber. Der Tierarzt durfte dann erst mal mich verarzten. Ich erinnere mich nur noch, wie die warme Brust meiner Stute gegen meinen Kopf geknallt ist, danach war ich weg; der Aufprall hatte mein Bewusstsein für ein paar Sekunden ins Nirwana geschickt. Dennoch hatte ich sehr viel Glück, außer ein paar Schürfwunden ist nichts weiter passiert. Aber die nächsten 4 Wochen hatte ich dieses Unwohlsein beim Führen meines Pferdes – und zu dieser Zeit musste ich meine Stute 2 mal täglich anfänglich 10 Minuten und mit der Zeit steigernd im Schritt führen.

Mein Tierarzt sagte: Bindung aufbauen! Viel putzen sollte ich sie, das würde die Bindung fördern. Hat es auch.

Aufgrund meines Erlebnisses kenne ich dieses Gefühl nur zu gut. Was mich erstaunt, ist, dass ich aus Sicht meines Verstandes schon deutlich “schlimmere” Erlebnisse mit Pferden hatte. Als ich noch jung war, ritt ich aus. Das Pferd stieg und buckelte, bis ich mit hohem Bogen flog und während ich flog, schlug das Pferd noch nach mir aus und traf mich am Kopf. So, wie ich es gelernt habe, setzte ich mich sofort wieder auf das Pferd und band mein Halstuch um den Kopf, damit mir das Blut nicht nonstop in die Augen floss. Ich ritt in aller Ruhe nach Hause, um dann ins Krankenhaus zu gehen, wo mir die Haare an der Trittstelle am Kopf abrasiert wurden, da ich genäht werden musste. Mein Verstand sagt mir, dass dieses Erlebnis deutlich schlimmer war, aber Angst, wieder in den Sattel zu steigen, hatte ich aufgrund dessen nie. Vielleicht lag es daran, dass ich damals deutlich jünger war und meine Psyche dies unter der Kategorie “Erfahrung” ablegte

Über die Klassische Reitkunst und die Reitmeister mit Hinblick auf die Geschichte – Teil II

Wie in meinem Artikel “Über die Klassische Reitkunst und die Reitmeister mit Hinblick auf die Geschichte – Teil I”, der über Xenophon berichtet und den Ihr hier: Xenophon lesen könnt, handelt dieser Artikel von dem Vater der Klassischen Reitkunst:

Frederico Grisone
In den nächsten 1.000 Jahren nach Xenophon (430 vor Christus etwa geboren) folgte das Mittelalter, welches etwa vom 5. bis zum 16. Jahrhundert andauerte. Während dieser Zeit gewann die Reiterei eine völlig andere Bedeutung.

Die Pferde zu dieser Zeit mussten gänzlich andere Voraussetzungen mitbringen und erfüllen. Die Panzerreiterei, wie wir es heute nennen, gewann an Bedeutung, während die Reitkunst in den Hintergrund verschwand. Die Panzerrreitere legte keinen Wert auf wendige Pferde oder gar auf Pferde, die darüber hinaus auf feine Hilfen reagierten. Zu jener Zeit benötigten die Europäer für ihre Kriege und Kreuzzüge schwere, dem Kaltblüter ähnelnde Pferde. Es mussten Pferde sein, die im Stande waren, etwa 400 Pfund, also 200 Kilogramm, zu tragen – denn so viel wog ein Ritter in seiner Rüstung. Und ein Ritter, der eine Rüstung trug, war nicht in der Lage, feine Hilfen zu geben. Ein scharfes Gebiss und überdimensionierte Sporen sorgten für den nötigen Gehorsam und letztendlich musste das Pferd nur geradeaus galoppieren können.

Erst, als die Schusswaffen erfunden wurden, kam die Wende und man benötigte wieder feinfühlige, schnelle und wendige Pferde, die es auszubilden galt.

Und so stoßen wir zu Frederico Grisone, dem Vater der Klassischen Reitkunst, der 1532, beeinflusst von den Leitsätzen Xenophons, allerdings mit eigener Interpretation derer, die erste Reitakademie in Neapel gründete.

Nun war Frederico Grisone nicht nur von den Leitsätzen Xenophons beeinflusst, sondern auch von der Brutalität des Mittelalters geprägt. Grisones Ausbildungsmethoden entsprachen der damaligen Zeit und waren deshalb in einem sehr hohen Maße von Gewalt und Brutalität geprägt. Im Gegensatz zu Xenophon verlangte Grisone die bedingungslose Unterordnung des Pferdes unter den Menschen.

So schrieb Grisone in seinem Werk “Künstlicher Bericht und erzierlichste Beschreybung” (1550), dass Gehorsam zur Harmonie führt, in seiner Theorie eben durch andere Mittel, als Xenophon sie nutzte. Mittel, die für uns heute unvorstellbar und eher Quälereien entsprechen würden, zur damaligen Zeit aber der Normalität entsprachen.

Ein Beispiel seiner Ausbildungsweise möchte ich wiedergeben:

Zitat: “Wenn Dein Pferd stehenbleibt oder rückwärts geht, stelle einen Mann hinter ihm auf, der auf einen langen Stock eine böse Katze so gebunden hat, dass sie mit dem Bauch nah oben im freien Gebrauch ihrer Krallen und ihres Gebisses ist. Der Mann soll die Katze dicht an die Schenkel des ungehorsamen Pferdes halten, damit sie kratzen und beißen kann”.

Grisone verdankt den Titel “Vater der Reitkunst” nicht etwa seinen Foltermethoden. Er gründete die erste Reitakademie in Neapel und aus seiner Schule sind zwei weitere Reitmeister hervorgegangen. Antoine de Pluvinel (1555 – 1620) und Salomon de la Broule (1530 – 1610).

Ich persönlich würde nach heutigem Standard, nach allem was ich über die Ausbildungsmethoden Grisones gelesen habe, seine Reitakademie als Gewaltschule bezeichnen – aus damaliger Sicht entsprachen seine Ausbildungsmethoden dennoch durchaus der Norm und die Reitakademie genoss weitreichend den besten Ruf.

Neben der Gründung der Reitakademie in Neapel verdiente Grisone sich den Titel des Vaters der Reitkunst auch dadurch, dass es seine Erkenntnis war, dass die Trabarbeit die Hinterhand des Pferdes stärkt. Zur damaligen Zeit hatte der Trab noch keinerlei Bedeutung. Man konzentrierte sich eher auf den Galopp.

Auch legte Grisone als Erster Wert auf den Hankenbug (heute: Hankenbeugung) und trainierte dies, indem er seine Pferde rückwärts den Hang hinaufritt.

Ebenso stellte er fest, dass Reiten im Kreise die Hankenbeugung fördert und schließlich war er es, der diesem Kreis den Namen “Volte” verlieh.

Auch brachte dieser Reitmeister den Fachausdruck Kapriole (Bedeutung: wenn das Pferd auf Kommando durch einen Sprung mit allen vier Beinen in der Luft befindet) in die Reiterei. Die Kapriole zählt heute zur Hohen Schule.

Es war Grisone, der das wichtige Zusammenspiel der Hilfen erkannte. Dazu muss erwähnt werden, dass zur damaligen Zeit Hilfen den Charakter von Strafen hatte.

Über die Klassische Reitkunst und die Reitmeister mit Hinblick auf die Geschichte – Teil I

Teil I:

Xenophon

Unter Klassischer Reitkunst versteht man nicht ausschließlich Pferdeshows mit Barockpferden oder gar das, was sich aus der Kavalleriereiterei Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt hat.

Anja Beran definiert die Klassische Reitkunst folgendermaßen (leicht durch mich abgewandelt):

Die Klassische Reitkunst ist die Fähigkeit, das Pferd durch Güte und logisch aufgebaute Übungen, die auf den Naturgesetzen von Gleichgewicht und Harmonie basieren, so auszubilden, dass es sich zufrieden und selbstbewusst dem Willen des Reiters hingibt, ohne dass sein natürlicher Bewegungsablauf auf irgendeine Art darunter leidet. Ein weiteres Ziel ist die Minimierung der Reiterhilfen.

Wenn man sich mit der klassischen Reitkunst befasst, wenn man verstehen möchte, was mit Reitkunst gemeint ist, wie sich die Reiterei im allgemeinen entwickelt hat, müssen wir zeitlich weit zurückgehen und so treffen wir auf Xenophon, der etwa 430 vor Christus geboren wurde.

Sokrates (ca. 470 – 399 vor Christus)

Xenophon war Schüler des Philosophen Sokrates (ca. 470 – 399 vor Christus) und dadurch stark von der Lehre der Wahrheitsfindung beeinflusst. Diese Lehre basierte auf der Suche nach dem Sein der Dinge, den Gründen für das Handeln, Leiden und Denken. Xenophon war nicht nur Schüler des Sokrates, er war auch Krieger und er liebte Pferde.

Wir verdanken Xenophon die ältesten und vollständig erhaltenen Wekre zur Reitkunst:

  • “Über die Reitkunst” und
  • “Der Reitoberst”.

Xenophon sagte bereits zu Lebzeiten: “Wenn jemand ein Prunkpferd verlangt, das freiwillig lebhaft ist und mitarbeitet, so muss man wissen, dass nicht alle dieser Gaben fähig sind, sondern nur diejenigen, welche mit einer stolzen Seele einen starken Körper verbinden. Allen, die mit Tieren umgehen, sei eindringlich zugerufen: Vergeht Euch nicht an der stolzen Seele!”

Ich erinnere: Diese Worte sind fast 2.500 Jahre alt.

Aufgrund der Tatsache, dass Xenophon auch Krieger war, wusste er nur zu gut, wie überlebenswichtig ein gehorsames und gut gerittenes Pferd war. Geprägt durch seinen Lehrer Sokrates machte sich Xenophon intensive Gedanken über die Pferde, die in seinen Händen waren, über die Reitweise und über die Ausbildung der Remonten. So findet sich auch dieses Zitat: “Ein Geschöpf, dem man sein Leben anvertraut, sollte seinem Reiter bereitwillig Folge leisten. Doch das erreicht man nicht durch Gewalt, sondern nur durch liebevolle Überzeugung”. Und somit besaß Xenophon ein hohes ethisches Verantwortungsbewusstsein. Aus seiner Sicht hatte das Pferd eine eigene Persönlichkeit, die es zu respektieren galt und noch mehr: Es sollte ein Partner für den Menschen sein und ihm nicht als Knecht dienen müssen.

Xenophon wusste bereits damals, dass ein Pferd trainiert werden muss, um ein gutes Reitpferd zu werden und zu sein.

Zitat: “Unfolgsame nutzen im Kampf mehr den Feinden als den Freunden.”

Über den Reitersitz vermittelt uns Xenophon folgendes (Anmerkung: damals wurde noch ohne Sattel geritten):  “Aber einen Sitz wie auf einem Sessel mit hochgezogenen Knien kann ich durchaus nicht loben. Richtig sitzt der Reiter, wenn er mit beiden Schenkeln gespreizt aufrecht, als ob er steht, auf dem Pferd sitzt. Denn auf diese Art wird er mit beiden Oberschenkeln sich mehr am Pferd festhalten, er reitet mit festerem Schluss und da er aufrecht ist, hat er mehr Kraft, vom Pferd herab den Wurfspieß zu schleudern oder auf die Feinde einzuschlagen. Vom Knie abwärts muss er das Schienenbein mit dem Fuß schlaff herabhängen lassen. Denn wenn er das Bein steif hält, würde er, wenn er an etwas anstößt, sich das Bein zerbrechen. Ist aber das Schienenbein leicht beweglich, so kann es, wenn e an etwa anstößt, nachgeben und den Oberschenkel dann gar nicht von der Stelle bewegen. Der Reiter muss auch seinen Körper oberhalb der Hüften daran gewöhnen, so leicht beweglich wie möglich zu sein. Denn so wird er sich noch viel mehr anstrengen können, und wenn ihn einer stößt oder zerrt, kann er weniger leicht vom Pferd geworfen werden.”

Ein weiteres Zitat von Xenophon, inspiriert von Simon (Anmerkung: Simon war ebenfalls ein Schriftsteller früherer Zeit, leider sind seine Überlieferungen nicht vollständig erhalten), das mir sehr gut gefällt, lautet: “Der Reiter, der ihm nichts zuleide tut, erzürnt es auch nicht. Denn was das Pferd gezwungen tut, das versteht es nicht, wie auch Simon gesagt hat.”

Aus meinem Alltag mit Pferd – der Rückschlag

Wir kennen es alle. Vielleicht kennt es der Eine oder Andere auch nicht. Aber ich lerne langsam, damit zu leben und damit umzugehen.

Ich habe meine Stute wachstums- und verletzungsbedingt dieses Jahr nochmal für 6 Monate auf die Weide gestellt. Sie sollte sich in völliger Ruhe erholen und jede Freiheit haben, ihren Wachstumsschub zu bewältigen.

Vor 4 Wochen etwa holte ich sie zurück und ließ sie vom Tierarzt und von der Chiropraktikerin untersuchen. Alle waren sie begeistert, wie gut sie sich doch gemacht hätte und alle Probleme, die der Wachstumsschub mit sich brachte, schienen überwunden. Und so erhielt ich grünes Licht und fing an, meine Stute, wie in einem vorherigen Beitrag unter “Aus meinem Alltag mit Pferd”, aufzubauen.

Das klappte auch wunderbar – bis vor ein paar Tagen. Ich bat meine Freundin, sie zu reiten, kurz, ganz locker und…

Meine Stute zeigte ein für mich sehr ähnliches Gangbild wie im März, als sie zu Beritt auf einem anderen Hof war. Ich nahm das ganze auf und schickte das Video meinem Tierarzt.

Es sieht für mich so aus, als könnte die Stute nicht untertreten.

Am nächsten Tag kam der Tierarzt und wir führten die Kontrollen durch, ich könnte dieses Vorgehen in diesen Terminen bereits rückwärts ohne ein Mal zu stottern, erzählen. Der Tenor meines Tierarztes war: “Ich habe sie schon lange nicht mehr so gut laufen sehen”, nahm mir die Stute aus der Hand und führte sie mir im Trab vor, damit ich mich selbst davon überzeugen konnte. Und tatsächlich, ein taktklarer Trab, der Rücken schwang schön durch, die Stute völlig locker.

Unter Reitergewicht sah das ganz anders aus. Für mich sehr grausam und herzzerreißend.

Nach Untersuchung des Rückens und normale Reaktionen gehen wir vom Kreuzdarmbeingelenk aus. Ok – diese unflexible Gelenk haben wir noch nicht auf der Liste. Ich sage: Herzlich willkommen. Also wird die Stute weiter vom Boden aus trainiert und die Behandlung für das Kreuzdarmbeingelenk in die Wege geleitet.

Aber irgendwie habe ich die Vermutung, dass zudem mit dem rechten Knie etwas nicht stimmt. Es zeigt zwar keine Anzeichen, es ist also nicht warm, nicht gefüllt, es erfolgt keine Reaktion auf Druck und Gezerre. Aber um sicher zu gehen, müssten andere Gerätschaften her. Nur, einfach mal so ein MRT oder eine Arthroskopie, nein, das mache ich nicht.

Ich warte die Behandlung ab und wir werden sehen, ob sie anschlägt.

Halla

Nachdem ich gestern bis in die Nacht meine Springaufnahmen von Aachen angesehen habe, musste ich an die Wunderstute Halla denken.

Halla wurde 1945 in Darmstadt geboren, ihre Abstammung war eher bescheiden. Sie war ein Stutfohlen, ihre Mutter Helene war ein französisches Beutepferd ohne Abstammung, ihr Vater ein deutscher Traberhengst namens Oberst.

Halla war ein äußerst schwieriges Pferd, welches als sehr zickig galt. Sie mochte es nicht, angefasst zu werden, was sich als Reitpferd doch schwierig gestaltet. Schnell wurde sie als ungeeignet für den Reitsport abgestempelt, nachdem sich etliche Reiter an ihr versuchten. Ursprünglich wurde sie als Rennpferd ausgebildet, eignete sich jedoch nicht dafür- ihr enormes Sprungvermögen blieb dabei jedoch nicht unerkannt.

Auf der anderen Seite gab es da den jungen, aufstrebenden Springreiter Winkler und wie es das Schicksal wollte, fanden die beiden 1951 zusammen, in dem Hallas Züchter und Besitzer ihre Stute Winkler zur Verfügung stellen, weil kein anderer sie haben wollte.

Und so fanden zwei zusammen, die zusammen gehörten. Schnell stellte sich heraus, dass Halla in ihrer Vergangenheit oft Langeweile hatte und erst zur Leistung fähig war, nachdem sie entsprechende Aufgaben bekommen hatte und schließlich in den richtigen Händen war.

Die Erfolge unter Winkler waren nicht mehr zu bremsen.

Wichtige Prüfungen wurden gewonnen, 1954 und 1955 dann die Weltmeisterschaft gewonnen und 1956 kam dann der Antritt zu den olympischen Spielen. Der Ritt am 16.06.1956 sollte Halla unvergessen machen,hier genauer gesagt der zweite Umlauf. Während des ersten Umlaufs rissen alle Teilnehmer eine Hürde, auch Halla und Winkler. Was während des ersten Umlaufs für Deutschland aber zur Tragödie wurde, war die Verletzung Winklers während des Sprunges am Steil in der Lenden- und Bauchgegend. Winkler sackte vor Schmerzen zusammen und konnte sich kaum noch im Sattel halten. Doch anstelle nach dem ersten Umlauf ins Krankenhaus zu gehen, was das Aus für die Chance auf eine Medaille, aber auch auf die Goldmedaille für Deutschland bedeuten würde, entschied er sich, den zweiten Umlauf mit seiner Halla anzutreten.

Der Tierarzt flößte ihm mehrmals Medikamente ein, so starke, damit er einigermaßen die Schmerzen ertrug, dass Winkler mehrfach das Bewusstsein verlor und noch kurz vor seinem Ritt von seinen Kollegen wachgerüttelt werden musste. An effektives Reiten war nicht mehr zu denken.

Wie auch immer waren es Halla und Winkler, die den zweiten Umlauf als einzige fehlerfrei meisterten. Winkler schrie bei jedem Sprung vor Schmerzen auf, konnte seine Stute mehr mit Stimme als durch das Reiten führen, aber Halla siegte und gab alles, als hätte sie verstanden, was mit ihrem Reiter passiert ist und worum es bei diesem Parcours ging.

Das war der Moment, in dem Halla international zum beliebtesten Sportpferd wurde- eine lebende Legende war geboren und der olympische Sieg galt nur ihr. Und das bedeutete Gold für die deutsche Mannschaft, Gold für Winkler. Auch 1960 gewannen die beiden die olympischen Spiele und längst galt Halla als bestes und bestgerittenes Pferd weltweit. Etliche Erfolge gingen auf ihr Konto, 128 Siege wurden verzeichnet. Das Pferd, das den Stempel ungeeignet trug und das Pferd, das niemand wollte.

Unendlich viel Post von der ganzen Welt wurde an den Empfänger: Halla, Deutschland gerichtet. Würfelzucker en masse erreichte Warendorf, etliche Briefe mit dem Inhalt: Halla, wie geht es Dir?

Nach den olympischen Spielen1960 wurde Halla damals 15-jährig aus dem Reitsport verabschiedet und für die Zucht eingesetzt. 16-jährig und in diesem Alter nicht selbstverständlich bekam sie ihr erstes Fohlen. 7 weitere sollten folgen, aber keines konnte ansatzweise in ihre Fußstapfen treten.

Halla starb 1979 im Alter von 34 Jahren, die braune hessische Wunderstute mit dem weißen Fleck mit einem Stockmaß von 1,71m, ohne je ernsthaft erkrankt oder verletzt gewesen zu sein, gefordert bis in die höchsten und schwierigsten Leistungsklassen, ohne je platt geritten gewesen zu sein.

Die Wunderstute blieb bis zu ihrem letzten Tag bei Hans Winkler. Wenn man ihn auch heute noch über Halla fragen würde, würde er sagen: Sie war eine Legende, aber sie war auch eine Diva. Wir drohten und wir versöhnten uns, bis sie akzeptierte, dass ich der Kapitän und sie mein erster Offizier war, bis ich ihr die Führung während des zweiten Umlaufs 1956 übergab. Wir waren Partner.

Halla wurde mit einer lebensgroßen Bronzeskulptur geehrt, die in Warendorf steht und 1979 wurde erlassen, dass kein anderes Pferd auf keinem Turnier der Welt den Namen Halla tragen darf.

Das deutsche Wunderpferd, an das zu Beginn niemand glaubte…